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Medizin

Serotonin-Gene begünstigen posttraumatische Belastungsstörung

Montag, 2. April 2012

Los Angeles – Zwei Genvarianten, die die Biosynthese des Neurotransmitters Serotonin vermindern, erhöhen die Anfälligkeit auf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD). Die Studie im Journal of Affective Disorders (Online) liefert eine Rationale für den Einsatz von Antidepressiva. Ein Gentest erscheint aufgrund der geringen Prävalenz der Varianten nicht sinnvoll.

Das Team um Armen Goenjian vom Semel Institute for Neuroscience and Human Behavior an der Universität Los Angeles hat die Gene von 200 Erwachsenen aus 12 Familien untersucht, die das Erdbeben von Spitak erlebt haben. Am 7. Dezember 1988 waren im Norden der damaligen Sowjetrepublik Armenien 20 Städte und 342 Dörfer teilweise komplett zerstört worden. Wenigstens 25.000 Menschen kamen ums Leben, 19.000 wurden verletzt, eine halbe Million Menschen obdachlos. Viele der Überlebenden haben das traumatische Erlebnis bis heute nicht verkraftet. Sie leiden unter Alpträumen und unkontrollierbaren Erinnerungen (flashbacks), die sie emotional stark belasten.

Auch einige Mitglieder der untersuchten Familie litten unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Andere war es dagegen gelungen, das Trauma erfolgreich zu verarbeiten. Der Genvergleich zwischen den beiden Gruppen ergab, dass die PTSD-Patienten häufiger Träger von Varianten in den beiden Genen TPH1 und TPH2 waren.

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Die beiden Gene kodieren das Enzym Tryptophanhydroxylase, ein Schlüsselenzym in der Biosynthese von Serotonin. Goenjian vermutet, dass die Varianten die Synthese von Serotonin vermindern. Die Folge wäre ein Neurotransmittermangel in den serotinergen Neuronen, die an der Regulierung von Stimmungslage, Schlaf und Aufmerksamkeit beteiligt sind.

Ein Serotonin-Mangel könnte die Anfälligkeit für ein PTSD erhöhen, vermutet Goenjian, der die Ergebnisse jetzt an einer größeren Gruppe prüfen will. Die Studie liefert eine plausible Erklärung für den Einsatz von Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die teilweise in der Behandlung des PTSD eingesetzt werden – was allerdings nicht bedeutet, dass die Antidepressiva tatsächlich eine befriedigende Wirkung erzielen. Dies kann nur durch klinische Studien mit den Wirkstoffen bewiesen werden. Die Therapie des PTSD gilt als schwierig. Viele Psychologen bevorzugen eine Psychotherapie wie die kognitive Verhaltenstherapie.

Goenjian hält auch einen Gentest auf die beiden Varianten für vorstellbar. Er könnte vom Militär eingesetzt werden, um Soldaten für ihre Eignung zu Kriegseinsätzen auszuwählen. Erfahrungsgemäß sind Genvarianten allerdings zu selten, um hier eine vernünftige Selektion zu ermöglichen. Die Ergebnisse der Studie schließen außerdem nicht aus, dass andere – auch nicht-genetische – Faktoren für die Anfälligkeit eine größere Rolle spielen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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