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Medizin

Antipsychotika: Intrauterine Exposition stört Entwicklung des Säuglings

Dienstag, 3. April 2012

Atlanta – Kinder, die während der Schwangerschaft mit Neuroleptika exponiert werden, zeigen in den ersten Monaten eine verzögerte motorischen Entwicklung. Dies geht aus einer prospektiven Beobachtungsstudie in den Archives of General Psychiatry (2012; doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2012.160) hervor.

Die meisten Antipsychotika sind plazentagängig, und die Fachinformationen der meisten Wirkstoffe raten deshalb dringend von einem Einsatz während der Schwangerschaft ab (auch wenn keine absolute Kontraindikation ausgesprochen wird).

Eine Exposition dürfte jedoch häufig sein, da auch Frauen mit mentalen Erkrankungen Kinder bekommen und die Schwangerschaft bei ihnen häufig erst spät bemerkt wird. Dennoch sind die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung bisher nicht systematisch untersucht worden.

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Katrina Johnson von der Emory University in Atlanta hat jetzt erstmals eine Gruppe von 22 Müttern, die während der Schwangerschaft mit Antipsychotika behandelt worden waren, begleitet und die Kinder im Alter von 6 Monaten untersucht. Die Mütter waren mit Haloperidol oder mit Neuroleptika der zweiten Generation (Ripiprazol, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon oder Ziprasidon) behandelt worden.

Nur 2 Mütter hatten die Medikamente übrigens zur Behandlung einer Psychose erhalten. Die anderen litten an Depressionen, bipolaren Störungen und Angststörungen. Auf diese Indikationen entfällt laut Johnson ein Großteil des Anstiegs in den Antipsychotika-Verordnungen der letzten Jahre. Die meisten Mütter hatten zusätzlich Antidepressiva, Anxiolytika und/oder Hypnotika eingenommen, was die Beurteilung der Ergebnisse erschwert.

Johnson hält eine schädliche Wirkung jedoch für wahrscheinlich. Die Forscherin hat die Entwicklung der Kinder mit der Infant Neurological International Battery (INFANIB) untersucht. Diese beurteilt Haltung, Tonus, Reflexe und motorische Fähigkeiten. Die Ergebnisse zeigten bei fast allen Säuglingen, die intrauterin mit Antipsychotika exponiert waren, Defizite in der motorischen Entwicklung. Nur vier der 22 Kinder (19 Prozent) waren unauffällig.

Möglicherweise wäre der Anteil der unauffälligen Kinder noch geringer gewesen, wenn Johnson die Entwicklung mit Kindern von psychisch gesunden Müttern verglichen hätte. Die Studie begleitet allerdings ausschließlich Kinder, die mit Psychopharmaka exponiert waren. In den Vergleichsgruppen hatten die Schwangeren Antidepressiva, Hypnotika und/oder Anxiolytika eingenommen.

Da die Studie keine Vergleichsgruppe von erkrankten Müttern hatte, die nicht behandelt wurden, kann die Studie streng genommen nicht trennen zwischen der intrauterinen Exposition und den Auswirkungen der Erkrankung der Mutter auf das Kind. Eine Schädigung der motorischen Entwicklung durch die Neuroleptika erscheint aber plausibel, da die meisten Mittel auf postsynaptische Dopamin-2-Rezeptoren wirken, deren Bedeutung für die motorische Entwicklung bekannt ist. © rme/aerzteblatt.de

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