NewsMedizinExperten: Erwartungen in Genom-Analysen überzogen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Experten: Erwartungen in Genom-Analysen überzogen

Dienstag, 3. April 2012

Baltimore – Die Kosten der Genom-Analysen sinken und schon bald wird es für Privatmenschen erschwinglich werden, sich für knapp 1.000 Euro das Erbgut analysieren zu lassen. Die Abfolge der etwa 4,5 Millionen Basenpaaren enthält jedoch nur selten Hinweise für ein Erkrankungsrisiko, warnen Experten in Science Translational Medicine (2012: doi: 10.1126/scitranslmed.3003380).

Der Krebsforscher Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore hat zusammen mit dem Biostatistiker Giovanni Parmigiani vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston Zwillingsstudien aus den USA und Skandinavien ausgewertet.

Da eineiige Zwillinge ein identisches Genom haben, wenn man von den somatischen Mutationen absieht, die sich im Verlauf des Lebens anhäufen, sollten sie auch die gleichen Krankheiten bekommen, was im begrenztem Rahmen auch der Fall ist.

Anzeige

Vier Erkrankungen haben ein besonders hohes genetisches Risiko, das durch Genomanalysen künftig bestimmt werden könnte, schreiben die Forscher. Die koronare Herzkrankheit, die Autoimmunthyreoiditis, der Typ-1-Diabetes mellitus und der Morbus Alzheimer könnten möglicherweise in Zukunft im Prinzip zu drei Viertel vorhergesagt werden, glauben Vogelstein und Parmigiani - und verschweigen nicht, dass bereits heute allein aufgrund der familiären Häufung eine gewisse Vorhersage möglich ist, nicht im Einzelfall, aber für die Gruppe.

Bei Krebserkrankungen versagen Genom-Analysen. Die Übereinstimmung zwischen eineiigen Zwillingen ist hier gering. Krebs werde zwar in der Regel durch Genfehler verursacht, erläutert Vogelstein, es handele sich jedoch nicht um ererbte Eigenschaften, sondern um somatische Mutationen, ausgelöst durch Chemikalien, Strahlung oder einfach durch Kopierfehler bei der Zellteilung. Hereditäre Krebserkrankungen sind selten, erklärt Vogelstein.

Beim Ovarialkarzinom könnte aus der Genom-Analyse bei etwa 2 Prozent der Frauen ein Lebenszeitrisiko von 10 Prozent ermittelt werden. Die anderen 98 Prozent hätten jedoch keine Garantie, dass sie nicht an diesem Krebs erkranken. Ihr Lebenszeitrisiko für diesen Krebs sei wahrscheinlich nicht sehr viel geringer als bei Frauen  mit einem positiven Test. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER