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Medizin

Mammographie: Bis zu 25 Prozent Überdiagnosen

Dienstag, 3. April 2012

dapd

Boston – Die Mammographie kann Brustkrebs in einem frühen Stadium mit guten Heilungschancen erkennen. Es werden jedoch auch Tumoren entdeckt, die unbehandelt niemals zum Tod führen würden. Eine Studie in den Annals of Internal Medicine (2012; 156: 491-499) schätzt die Rate der Überdiagnosen auf bis zu 25 Prozent.

Die Gruppe um Mette Kalager von der Harvard School of Public Health in Boston nutzt die Tatsache, dass die Mammographie in Norwegen 1996 nicht auf einen Schlag landesweit eingeführt wurde, sondern allmählich über einen Zeitraum von zehn Jahren. So konnten sie die Inzidenz invasiver Brustkrebserkrankungen in Bezirken mit und ohne Mammographie vergleichen.

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In einem ersten Modell wurde auch die durch das Screening verminderte Inzidenz im Alter über 69 Jahren berücksichtigt. Im zweiten Modell wurde einberechnet, dass Brustkrebs durch das Screening etwa 2 bis 5 Jahre früher diagnostiziert wird, was zu Beginn des Screenings zu einem scheinbaren Anstieg der Inzidenz führt.

Nach dem ersten Modell kommt es laut Kalager bei 18 bis 25 Prozent zu einer Überdiagnose, nach dem zweiten Modell beträgt die Rate 15 bis 20 Prozent. Sollte der ungünstige Fall von 25 Prozent zutreffen, dann kämen auf 2.500 Frauen, die regelmäßig an der Mammographie teilnehmen, 6 bis 10 Frauen, die den Strapazen einer Therapie mit Operation, Strahlen- und möglicherweise auch Chemotherapie ausgesetzt würden, ohne dass sie einen Nutzen daraus ziehen. Auf der anderen Seite würde aber 1 von 2.500 Frauen durch das Mammographie-Screening das Leben gerettet.

Zu den limitierenden Faktoren der Studie gehört, dass sie retrospektiv war und nur die Inzidenz invasiver Tumore verglich, nicht aber die Brustkrebssterblichkeit. Zu einem ähnlichen Ergebnis war im letzten Jahr das Team um Peter Gøtzsche vom Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen in einer Meta-Analyse auf der Basis von acht randomisierten Studien gekommen: Danach würde eine von 2.000 Frauen durch das Screening über einen Zeitraum von 10 Jahren vor einem Brustkrebstod bewahrt, während 10 unnötigerweise operiert würde. Hinzu kämen 200 Frauen, die durch eine falsch-positive Diagnose belastet würden.

Die Erfahrungen des niederländischen Brustkrebsscreenings waren positiver. Jacques Fracheboud vom Erasmus University Medical Center, Rotterdam, hat auf einer Tagung kürzlich die Rate der Überdiagnosen mit 8,9 Prozent angegeben. Die Rate der falschpositiven Befundes betrage 6 Prozent für eine Frau, die ab dem 50. Lebensjahr alle Termine im Abstand von 2 Jahren wahrgenommen hat.

Als Ausweg aus dem Dilemma schlagen die Editorialistinnen Joann Elmore, Seattle, und Suzanne Fletcher, in den Annals jetzt eine "watch-and-wait"-Strategie vor. Frauen mit einem mammographisch diagnostizierten nichtinvasivem Tumor sollten sich erst operieren lassen, wenn regelmäßige Folgeuntersuchungen eine Progression anzeigen. Die Sicherheit dieser Strategie wurde jedoch bisher nicht untersucht, und dass sie von den betroffenen Patientinnen akzeptiert würde, erscheint zumindest fraglich. © rme/aerzteblatt.de

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