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Medizin

Kein Krebsrisiko durch Metall-auf-Metall-­Prothesen

Mittwoch, 4. April 2012

dpa

Bristol – Der Abrieb von Metall-auf-Metall-(MoM)-Hüftendoprothesen gelangt zwar ins Blut und die Partikel sind in verschiedenen Organen nachweisbar. Einen Anstieg des Krebsrisikos hat es einer Analyse des englisch-walisischen Patientenregisters im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 344: e2383) zufolge jedoch bisher nicht gegeben.

Die MoM-Hüftendoprothesen sind wegen der erhöhten Neigung zu Implantatlockerungen derzeit in der Diskussion. Die feinen Abriebe der Legierungen aus Kobalt, Chrom oder Molybdän gelangen jedoch nicht nur in die Umgebung der Prothesen. Über den Blutkreislauf werden sie auch in Knochenmark, Leber, Nieren und Blase geschwemmt.

Da die Metalle in-vitro die DNA von Lymphozyten schädigen, kann eine karzinogene Wirkung nicht ausgeschlossen werden. Der Biostatistiker Alison Smith von der Universität Bristol hat deshalb die Daten des National Joint Registry von England und Wales ausgewertet, das die Daten zu 40.576 MoM-Implantaten gesammelt hat. Ein Vergleich mit den 248.995 Trägern anderer Implantate lieferte indes keinen Hinweis auf ein erhöhtes Krebsrisiko.

Smith ermittelte für einen 60-Jahre alten Mann eine 5-Jahreskrebsinzidenz von 4,8 Prozent, wenn er Träger einer MoM-Hüftendoprothese mit Oberflächenersatz ist. Träger mit einer MoM-Totalendoprothese erkrankten zu 6,2 Prozent an Krebs und damit tendenziell seltener als die Träger anderer Endoprothesen. Bei Frauen lauten die 5-Jahreskrebsinzidenzen 3,1 Prozent, 4,0 Prozent und 4,4 Prozent.

Damit gibt es derzeit keinen epidemiologischen Hinweis auf ein erhöhtes Krebsrisiko. Dies ist laut Smith bei einer durchschnittlichen Tragezeit der MoM-Prothesen von 3 Jahren (noch) nicht zu erwarten. Hochrechnungen über eine Tragezeit von 7 Jahren hinaus seien derzeit nicht möglich.

Da viele Jahre zwischen der Initiation einer Krebserkrankung durch DNA-Schädigung und der klinischen Manifestation eines Tumors liegen können, könne eine krebsauslösende Wirkung derzeit nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Es dürfte in den nächsten Jahren noch weitere Studien zu dieser Frage und anderen möglichen Organschäden durch MoM-Implantate geben. © rme/aerzteblatt.de

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