NewsMedizinNetzhautablösung durch Fluoro­chinolon-Antibiotika
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Netzhautablösung durch Fluoro­chinolon-Antibiotika

Mittwoch, 4. April 2012

Vancouver – Die orale Therapie mit Antibiotika aus der Gruppe der Fluorochinolone geht offenbar mit einer erhöhten Rate von Netzhautablösungen im Auge einher. Das relative Risiko einer Ablatio retinae war in einer Fall-Kontroll-Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 1414-1419) fast fünffach erhöht.

Fluorochinolone gehören zu den am häufigsten verschriebenen Antibiotika. Aufgrund ihres breiten Wirkungsspektrums und der guten Gewebeverteilung werden sie im ambulanten Bereich für eine Vielzahl von bakteriellen Infektionen eingesetzt. Obwohl Fluorochinolone in der Regel gut vertragen werden, gibt es eine Vielzahl möglicher Nebenwirkungen.

Anzeige

Auch Toxizitäten im Auge, wo Fluorochinolone ebenfalls eine hohe Konzentration erreichen, wurden beschrieben. Dazu gehören Hornhautperforationen, eine optische Neuropathie sowie Netzhautblutungen. Berichte über Netzhautablösungen gab es aber nur vereinzelt.

Ein möglicher Pathomechanismus für Netzhautablösungen sind Störungen im Kollagen- und Bindegewebe des Glaskörpers, schreibt Mahyar Etminan vom Child and Family Research Institute in Vancouver. Solche Störungen sind für Sehnenrupturen verantwortlich, die eine bekannte Nebenwirkung von Fluorochinolonen sind.

Etminan hat deshalb die Verschreibungsdaten für Antibiotika im kanadischen Teilstaat British Columbia mit den dortigen Hospitalisierungen und ambulanten Behandlungen wegen Netzhautablösungen verglichen. In einer genesteten Fall-Kontrollstudie stellte der Epidemiologe 4.384 Patienten mit Netzhautablösung jeweils zehn Kontrollen gleichen Alters gegenüber.

Tatsächlich findet Etminan bei den Patienten mit Netzhautablösung eine erhöhte Rate von Verordnungen von Fluorochinolonen, nicht aber von anderen Antibiotika. Für die aktuelle Anwendung ermittelt Etminan ein um den Faktor 4,5 erhöhtes Risiko (adjustiere Rate Ratio 4,50; 95-Prozent-Konfidenzintervall 3,56-5,70). Die Netzhautablösung trat durchschnittlich nach 4,8 Tagen Therapie auf. Nach dem Ende der Einnahme war das Risiko nicht mehr erhöht.

Danach sind das Ausmaß des Risikos und der Auftrittszeitpunkt ähnlich wie bei den Rupturen der Achillessehne, dessen Risiko laut einer von Etminan zitierten Studie unter der Therapie mit Fluorochinolonen um den Faktor 7,1 erhöht ist und die median nach 7 Tagen Therapie auftraten.

Wie bei den Sehnenrupturen dürfte die Gefahr für den einzelnen Patienten gering sein. Laut Etminan kommen auf 10.000 Patienten und Jahre vier zusätzliche Erkrankungen. Die Number Needed to Harm beträgt 2.500. Angesichts der hohen Zahl von Verord­nungen könnten in den USA jährlich 1440 Netzhautablösungen auf die Einnahme von Fluorochinolonen zurückzuführen sein, schreibt Etminan.

Dass dies bisher unentdeckt blieb, könnte damit zusammenhängen, dass die Netzhautablösungen nicht von den gleichen Ärzten (Augenärzte) behandelt werden, die die Antibiotika verschrieben haben (zum Beispiel Hausärzte, Internisten). Eine Stellungnahme der Arzneimittel­behörden liegt noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Oktober 2018
London – Die Verkäufe von Antibiotika zur Verwendung bei Tieren, die zur Lebensmittelerzeugung verwendet werden, sinkt in der gesamten Europäischen Union (EU). Das berichtet die Europäische
Antibiotikaverkauf für Tiermast geht europaweit zurück
8. Oktober 2018
London – Fluorchinolone sollen künftig nicht mehr zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Infektionen eingesetzt werden, für die andere Antibiotika zur Verfügung stehen. Die Vorbeugung von
Antibiotika: EMA will die Indikationen von Fluorchinolonen deutlich einschränken
5. Oktober 2018
Buenos Aires/Berlin – Ge­sund­heits­mi­nis­ter der führenden Industrie- und Schwellenländer („G20“) haben beim heutigen Gipfeltreffen in Argentinien über die Bewältigung globaler
G20-Gesundheitsgipfel setzt Kampf gegen Antibiotikaresistenzen fort
4. Oktober 2018
Tandil/Buenos Aires – Weltweit steigen die ESBL-Resistenzen (Extended Spectrum Beta-Lactamase) bei E. coli. Eine hohe Prävalenz der ESBL-Resistenzen und andere antimikrobielle Substanzen fanden
Antimikrobielle Resistenz uropathogener E. coli bei älteren Patienten überwachen
1. Oktober 2018
Oxford – Aufwendige bakteriologische Kulturen zum Nachweis von Antibiotikaresistenzen könnten bei der Behandlung der Tuberkulose bald der Vergangenheit angehören. Eine Studie im New England Journal of
Tuberkulose: Genomsequenzierung erkennt Resistenzen schneller
26. September 2018
Turku/Finnland – Eine kurzzeitige Antibiotikabehandlung kann eine unkomplizierte akute Appendizitis langfristig zur Ausheilung bringen. Dies geht aus den jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018;
Appendizitis: Antibiotika können Operation auch langfristig vermeiden
26. September 2018
Durham/North Carolina – Eine einfache klinische Checkliste, die Patienten mit Staphylococcus-aureus-Bakteriämie verschiedenen Gruppen zuordnet, hat in einer randomisierten klinischen Studie die
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER