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Medizin

Infektionen als Thromboembolierisiko

Mittwoch, 4. April 2012

Ann Arbor – Infektionen sind möglicherweise ein bisher übersehener Auslöser von venösen Thromboembolien. In einer Case-crossover in Circulation (2012; doi: 10.1161/​CIRCULATIONAHA.111.084467) waren sie noch vor den bekannten Triggern wie Operation, Frakturen oder Immobilität der wichtigste Risikofaktor. Vorsicht ist auch nach der Behandlung mit Erythropoetin und nach Bluttransfusionen erforderlich.

Die Zahl der tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien nimmt in den Industrieländern stetig zu. In den USA sind sie pro Jahr für 330.000 Hospitalisierungen verantwortlich. Die Kliniken selbst legen höchsten Wert auf eine Thromboseprophylaxe nach Operationen, Frakturen oder bei bettlägerigen Patienten, die bekanntermaßen ein erhöhtes Risiko haben. Eine Reihe weiterer Risikofaktoren sind bekannt. Infektionen wurden bisher nicht dazu gezählt. Sie könnten aber ein wichtiger Auslöser sein, wie die Untersuchung von Mary Rogers von der Universität von Michigan in Ann Arbor zeigt.

Die Forscherin hat mit den Daten der Health and Retirement Study, einer repräsentativen Stichprobe älterer Amerikaner, eine Case-crossover-Studie durchgeführt. Dabei wird die Zeit vor einem Ereignis – hier die 90 Tage vor einer Hospitalisierung wegen einer Thromboembolie – mit vier anderen Lebensphasen der Patienten verglichen.

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Dies hat gegenüber anderen Ansätzen einer Fall-Kontroll-Studie den Vorteil, dass unterschiedliche Eigenschaften von Fällen und Kontrollen das Ergebnis nicht verfälschen können, da es sich bei Fällen und Kontrollen um die gleichen Personen handelt.

Laut Rogers hatten 52,4 Prozent aller Patienten in den 90 Tagen vor der Thromboembolie an einer Infektion gelitten. Die Rate war dreimal höher als in den Kontroll-Phasen: Rogers errechnet eine relative Inzidenzrate (IRR) von 2,90 für Infektionen. Wenn die Patienten die Infektion in einem Pflegeheim oder im Krankenhaus erworben hatten, betrug die IRR sogar 6,92. Sie war dann höher als bei den etablierten Risikofaktoren wie Operationen oder Frakturen (IRR 2,81), Immobilität (IRR 4,23) und nach einer Chemotherapie (IRR 5,70).

Ein weiterer, bisher wenig beachteter Risikofaktor könnte die Behandlung mit Erythropoetin oder vergleichbaren Medikamenten sein, die wie eine Bluttransfusion den Hämoglobinwert ansteigen lässt. Rogers ermittelt eine IRR von 9,33, für Bluttransfusionen betrug sie 2,57.

Epidemiologische Studien können Risiken aufzeigen. Sie sind aber kein Ratgeber für die Klinik. Aus den Studien kann beispielsweise nicht abgeleitet werden, dass Patienten nach schweren Infektionen eine Thromboseprophylaxe betreiben sollten. Diese Frage müsste zuerst in randomisierten Studien geklärt werden. © rme/aerzteblatt.de

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