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Politik

Klusen will Kassen stärker privatisieren

Mittwoch, 11. April 2012

Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen sollten nach Ansicht des Vorsitzenden der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, in Aktiengesellschaften oder Versicherungsvereine umgewandelt werden. Langfristig müsse der Unterschied zwischen Privatpatient und Kassenpatient verschwinden, forderte Klusen in der Financial Times Deutschland (FTD) vom Mittwoch. Die privaten Versicherungen reagierten mit Ablehnung auf den Vorschlag.

Das Gesundheitssystem mit zwei Kassensystemen – gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und privater Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) – steht nach Einschätzung vieler Gesundheitsexperten vor einem grundsätzlichen Umbruch. Bisher wurde jedoch vor allem über ein Ende der PKV spekuliert.

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Radikaler Reformvorschlag
In einem Gutachten, das die Techniker Krankenkasse in Teilen auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, wird nun vorgeschlagen, die GKV stärker zu privatisieren, also näher an die PKV zu rücken. Klusen nannte das Gutachten in der FTD einen ersten Schritt, „wie wir die starren Grenzen zwischen privat und gesetzlich öffnen könnten“.

Es müsse gefragt werden, ob „wir nicht besser die beiden Systeme zu einem einheitlichen Versicherungsmarkt mit mehr Wettbewerb und Durchlässigkeit entwickeln“, sagte der Versicherungschef, der im Sommer aus dem Amt scheidet. In dem Gutachten wird vorgeschlagen, den gesetzlichen Leistungskatalog und die einkommens­unab­hängige Beitragsfinanzierung beizubehalten, den Kassen aber die Möglichkeit zu geben, mehr eigene Zusatzleistungen anzubieten und direkt bei Geschäftspartnern einkaufen zu dürfen.

Absage der privaten Versicherungen
Die privaten Versicherungen lehnen die Reformpläne jedoch ab. Der Vorstoß des TK-Chefs „unter der Überschrift Wettbewerb klingt zwar interessant, erweist sich aber bei näherem Hinsehen als fragwürdig“, sagte der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach. „Denn die gesetzlichen Krankenkassen einfach in eine private Rechtsform umzuwandeln, es zugleich aber bei der Pflichtversicherung mit einheitlichem Leistungs­katalog zu belassen, hätte mit Wettbewerb nichts zu tun“, sagte er.

Eine solche Reform diente nicht den Versicherten, sondern nur den Interessen der GKV, da sie im Wesentlichen die Marktmacht der Krankenkassen ausbauen würde, sagte Leienbach. „Sie würden die Kundenbindung ihrer vielen Millionen Pflichtversicherten ausnutzen, um private Zusatzangebote zu verkaufen.“ © dapd/aerzteblatt.de

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