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Medizin

Mobile Stroke Unit beschleunigt Schlaganfalltherapie

Mittwoch, 11. April 2012

Homburg/Saar – Die Mobile Stroke Unit der saarländischen Uniklinik hat die Zeit bis zum Therapiebeginn bei Schlaganfall-Patienten halbiert. Laut der Publikation der Pilotstudie in Lancet Neurology (2012; doi: 10.1016/S1474-4422(12)70057-1) konnte die Thrombolyse bei mehr als die Hälfte der Patienten innerhalb der ersten Stunde nach Symptombeginn eingeleitet werden.

„Time is brain“ lautet die Devise der modernen Schlaganfalltherapie. Doch um mit der Therapie beginnen zu können, muss bei den Patienten zunächst eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls ausgeschlossen werden. Dies ist nur mittels Computer- oder Kernspintomographie möglich, weshalb anders als beim Herzinfarkt eine Thrombolyse in der Prähospitalphase bisher nicht möglich war.

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Für etwa 300.000 Euro (von verschiedenen Stiftungen) hatte das Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg/Saar 2009 als weltweit erste Klinik einen Rettungswagen mit einem CT und einem kleinen Labor ausgerüstet. Zur Besatzung gehört ein Neurologe, der sich auf die Diagnose und Therapie des Schlaganfalls spezialisiert hat. Im Rahmen der Pilotstudie wurden 53 Schlaganfall-Patienten von der Mobile Stroke Unit zuhause abgeholt. Noch im Rettungswagen wurde die Diagnose gesichert und die Lyse eingeleitet.

Wie das Team um Klaus Fassbender jetzt berichtet, betrug die Zeit vom Notruf bis zur Einleitung der Lyse im Durchschnitt nur 38 Minuten. Sie war damit signifikant kürzer als in einer Kontrollgruppe, in der die Patienten erst in der Klinik diagnostiziert und therapiert wurden. Die Lyse konnte dort erst 73 Minuten nach dem Alarm begonnen werden. In der Mobile Stroke Unit konnten 57 Prozent der Patienten bereits innerhalb der ersten Stunde nach Symptombeginn lysiert werden gegenüber nur 4 Prozent in der Vergleichsgruppe.

Die Unterschiede waren so deutlich, dass die Studie nach einer Zwischenauswertung vorzeitig abgebrochen wurde. Es ist zu hoffen, dass dadurch nicht die Ergebnisse späterer Auswertung zu den klinischen Ergebnissen der Lyse gefährdet wurde, denn die Investition in eine Mobile Stroke Unit ist nur dann sinnvoll, wenn mehr Patienten den Schlaganfall ohne Behinderungen überleben.

Die schnelle Lyse wurde sicherlich dadurch begünstigt, dass die Mobile Stroke Unit im urbanen Umfeld im Einsatz ist. Die Distanz bis zum Einsatzort betrug nur 7 Kilometer, das Team traf dort nach durchschnittlich 8 Minuten ein. Die Ergebnisse dürften deshalb nicht eins zu eins auf ländliche Regionen übertragbar sein, schreibt der Editorialist Alastair Buchan von der Universität Oxford. © rme/aerzteblatt.de

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