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Medizin

Grippeimpfung 2011/12 mit begrenzter Schutzwirkung

Montag, 16. April 2012

dpa

Paris – Die diesjährige Grippeimpfung hat nur eine schwache bis mäßige Schutzwirkung von unter 50 Prozent erzielt. Dies zeigen erste Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie in Eurosurveillance (2012: 17: 15.2). Der Grund wird in einem verstärkten genetischen Drift der Influenzaviren gesehen.

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hat die Effektivität der Grippeimpfung von EpiConcept in Paris in acht Ländern (keine deutsche Beteiligung) prüfen lassen. Da die Grippewelle in diesem Jahr sehr spät einsetzte, konnte das Team um Esther Kissling nur 558 Patienten in die erste Analyse einfließen lassen. Alle hatten sich bis zur Kalenderwoche 7/2012 mit grippeartigen Symptomen (ILI) bei Hausärzten vorgestellt, die sich am Grippe-Sentinel beteiligen.

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Bei 208 Patienten konnte eine Infektion mit der diesjährigen Influenza A(H3) bestätigt werden, bei den anderen müssen andere Gründe für die Erkrankung vorgelegen haben. Aus dem Vergleich des Impfstatus der beiden Gruppe ermitteln Kissling und Mitarbeiter eine Schutzwirkung (vaccine effectiveness, VE) von 42,9 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 10,3-63,6). Sie verändert sich nach Berücksichtigung der Patienteneigenschaften nicht wesentlich. Die VE von 43 Prozent (-0,4-67,7) verlor jedoch ihre Signifikanz. Die Bandbreite reicht von keiner Schutzwirkung bis zu einer Schutzwirkung bei zwei Drittel der Geimpften.

Die Autoren vermuten jedoch, dass die VE von etwa 50 Prozent die Schutzwirkung richtig einschätzt, da sie der VE entspricht, die in der Saison 2011 in Australien (58 Prozent) ermittelt wurde, wo die Grippewelle ebenfalls von Influenza A(H3) getragen wurde. Die VE gilt für die Zielgruppe der Influenzaimpfung (also in der Regel ältere Menschen und chronisch Kranke).

Eine Ursache für die schwache bis mäßige Schutzwirkung sieht die ECDC im derzeitigen genetischen Drift der Grippeviren. Er hat die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) Ende Februar veranlasst, die Zusammensetzung des Impfstoffes für die kommende Saison 2012/13 zu verändern. Ein anderer Grund für die schwache Wirkung könnte die diesjährige Verspätung der Grippewelle sein, da die Wirksamkeit der Grippeimpfung nach dem Impftermin langsam nachlässt.

Für ECDC-Direktor Marc Sprenger, Stockholm, bleibt die Grippeimpfung die wichtigste Schutzmaßnahme gegen die Grippe. Die schwache Wirkung sollte jedoch Ansporn sein zur Entwicklung besserer Vakzinen sein, meint Sprenger. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 19. April 2012, 13:31

Effizienz und Effektivität der Influenzaimmunisierung

Der mangelnde Influenza-Impfschutz bei Älteren und Chronikern wird auch durch eine frühere Publikation in The Lancet Infectious Diseases “Efficacy and effectiveness of influenza vaccines” bestätigt:
http://www.medscape.com/viewarticle/752235?src=mpnews&spon=34
doi:10.1016/S1473-3099(11)70295-X
Die Studienautoren kommen nach der Metaanalyse von 31 Untersuchungen über labortechnisch bestätigte saisonale Influenzainfektionen zu dem Schluss, dass u. U. erhebliche und kritische Impflücken bestehen. Trivalenter und inaktivierter Impfstoff, zu 90 Prozent in den USA gebräuchlich, führe bei nur 59 Prozent gesunder Erwachsener zum Infektionsschutz. Lebend attenuierter Impfstoff, der für Erwachsene ab 50 Jahren in den USA noch nicht offiziell zugerlassen sei, führe bei Kindern bis zum 7. Lebensjahr in 83 % und bei Erwachsenen unter 65 Jahren in 69 % zu ausreichender Immunität.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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