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Medizin

Phthalate als Diabetesrisiko

Montag, 16. April 2012

Uppsala – Der Typ-2-Diabetes mellitus wird derzeit auf eine Kombination aus genetischer Prädisposition und ungesundem Lebensstil zurückgeführt. Eine Studie in Diabetes Care (2012; doi: 10.2337/dc11-2396) sieht erstmals einen Zusammenhang mit Umweltschadstoffen.

Phthalate sind als Weichmacher in Plastikverpackungen und Kunststoffen enthalten, teilweise werden sie auch Kosmetika und in Körperpflegemitteln zugesetzt. Die Substanzen sind so verbreitet, dass sie sich im Blut praktisch aller Menschen nachweisen lassen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind derzeit Gegenstand lebhafter Diskussionen, wobei die Störung des Stoffwechsels der Sexualhormone im Vordergrund steht. Phthalate sollen als endokrine Disruptoren die Fertilität herabsetzen können.

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Phthalate binden im Körper aber auch an Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptoren (PPAR). Sie sind Diabetologen als Wirkort von oralen Antidiabetika aus der Gruppe der Glitazone ein Begriff. Glitazone steigern die Insulinsekretion, Phthalate könnten die Bildung des Hormons möglicherweise hemmen. Die Folge könnten Störungen des Insulinstoffwechsels sein, wie sie Lars Lind und Mitarbeiter von der Universität Uppsala in einer Gruppe von 1016 über 70-jährigen Frauen gefunden hat, bei denen die Konzentration der Phthalate im Blut bestimmt wurde.

Bei Seniorinnen mit der höchsten Exposition bestimmter Phthalate wurde doppelt so häufig ein Typ-2-Diabetes mellitus diagnostiziert als bei Frauen mit den niedrigsten Blutkonzentrationen der Weichmacher. Die Assoziation war laut Lind auch nach der Berücksichtigung anderer Risikofaktoren noch vorhanden.

Nach einer kleineren Untersuchung an Frauen aus Mexiko ist die Studie erst der zweite epidemiologische Hinweis auf einen Zusammenhang, gesteht Lind ein. Es fehlen wichtige Glieder der Beweiskette. Als nächstes könnte versucht werden, im Tierexperiment durch Phthalate in hoher Konzentration einen Diabetes auszulösen. © rme/aerzteblatt.de

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