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Medizin

Schlauchmagen behebt Typ-2-Diabetes mellitus

Dienstag, 17. April 2012

Rom – Die „Sleeve“-Gastrektomie, die den Magen auf einen kleinen Schlauch verkleinert, hat in einer Vergleichsstudie in den Archives of Surgery (2012; doi: 10.1001/archsurg.2012.222) vier von fünf Patienten mit extremer Adipositas von ihrem Typ-2-Diabetes mellitus befreit.

Der Schlauchmagen hat sich in den letzten Jahren zu einer bevorzugten Variante der bariatrischen Chirurgie entwickelt, da anders als beim Roux-en-Y-Magenbypass oder der biliopankreatischen Diversion die Resorptionsstrecke im Dünndarm nicht verkürzt wird. Die Verringerung des Magenvolumens auf etwa 25 Prozent zwingt die Operierten allerdings zu kleineren Mahlzeiten.

Der Gewichtsverlust ist deutlich größer als nach einem Magenband. Forscher führen dies auf die Entfernung des Magenfundus zurück, dessen Schleimhaut Ghrelin und vielleicht noch weitere „Anti-Inkretine“ bildet, die an der Pathogenese des Typ-2-Diabetes mellitus beteiligt sein sollen. Bewiesen ist dies wohl noch nicht, doch die Auswirkungen der Operation sind beachtlich.

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Der Eingriff ist laparoskopisch möglich. Anders als Magenband und teilweise auch Magenbypass ist er allerdings irreversibel. Er bleibt deshalb auf Extremfälle beschränkt. In der Studie von Frida Leonetti vom Policlinico Umberto I der Sapienza-Universität Rom waren diese Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 35, die einen Typ-2-Diabetes mellitus entwickelt hatten. Die Studie verglich die Sleeve-Gastrektomie an 30 Patienten mit einer konventionellen medikamentösen Therapie des Typ-2-Diabetes mellitus in weiteren 30 Patienten.

Der BMI ging schon bald nach der Sleeve-Gastrektomie zurück und nach 12 Monaten lagen die Teilnehmer einem BMI von 29,4 im Bereich der „normalen“ Adipositas, und sie konnten den Wert mit 18,3 nach 18 Monaten halten. In der Vergleichsgruppe kam es erwartungsgemäß zu keinen Veränderungen des BMI. Er stieg sogar tendenziell von 39 auf 39,8 an, was nicht weiter verwundert, da viele Antidiabetika und Insulin die Fettleibigkeit fördern. Die antidiabetische Therapie war während der Studie intensiviert worden. Es gelang den HbA1c von 8,1 auf 7,1 Prozent zu senken. Alle Patienten blieben aber Diabetiker.

Bei den operierten Patienten sank der HbA1c-Wert auf 6,0 Prozent (Normalwert 6,5), und 24 von 30 Patienten (80 Prozent) erzielten ohne Medikamente normale Blutzuckerwerte. Ihr Typ-2-Diabetes mellitus war damit ausgeheilt, wie Leonetti feststellt. Darunter waren alle 20 Patienten mit einer Diabetesdauer von weniger als zehn Jahren.

Die Studie, eine der ersten (wenn auch nicht randomisierten) Vergleichsstudien zur Sleeve-Gastrektomie, bestätigt die Ergebnisse einer Meta-Analyse, die auf der Basis von 27 Studien mit 673 Patienten eine Remissionsrate von 66,2 Prozent errechnet hatte (Surgery for Obesity and Related Diseases 2010; 6: 707-713).

Im März hatten Mediziner der Cleveland Clinic auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in Chicago die Ergebnisse einer weiteren randomisierten Studie vorgestellt. Dort war die Sleeve Gastrektomie mit einer Magenbypass-Operation und einer medikamentösen Therapie (an jeweils 50 Patienten) verglichen worden.

Die Remissionsrate des Diabetes war hier mit 27 Prozent (bei gleichem Kriterium: HbA1c unter 6 Prozent ohne Medikamente) geringer als in der aktuellen Studie, was aber an dem geringeren Ausgangsgewicht (BMI 36 versus 41), vielleicht auch an der etwas längeren Diabetesdauer (8,2 versus 7,8 Jahre) gelegen haben könnte. Eine Bypass-Operation hatte in der US-Studie bei 42 Prozent der Patienten eine Remission erzielt, während unter einer alleinigen medikamentösen Therapie erwartungsgemäß kein einziger Diabetes zur Ausheilung gebracht werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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