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Medizin

Omega-3-Fettsäuren bei multipler Sklerose ineffektiv

Dienstag, 17. April 2012

Bergen – Die Einnahme vom Omega-3-Fettsäuren, eine beliebte Komplementärmedizin bei der multiplen Sklerose, hat sich in einer randomisierten klinischen Studie in den Archives of Neurology (2012; doi: 10.1001/archneurol.2012.283) als unwirksam erwiesen.

Omega-3-Fettsäuren wird ein günstiger Einfluss auf entzündliche Prozesse im Allge­meinen und die Immunattacke bei der multiplen Sklerose im Besonderen nachgesagt. In einer Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft war die Einnahme von Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren nach einer Umstellung der Ernährung die zweithäufigste Komplementärmedizin. Jeder dritte hatte sie schon einmal eingesetzt (Mult Scler 2008; 14: 1113-1119).

Im Internet finden sich viele Hinweise auf diese Behandlung. Als Wirkungsbeleg wird eine offene Studie aus Norwegen angegeben, in der es über 2 Jahre zu einer Besserung gekommen war. Mangels Vergleichsgruppe kann die Studie jedoch keine Evidenz beanspruchen (Acta Neurol Scand 2000; 102: 143-9).

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Die Autoren haben deshalb eine randomisierte Doppelblindstudie durchgeführt. Zum Einsatz kam das Präparat eines norwegischen Herstellers (Pronova BioPharma) mit 1350 mg Eicosapentaensäure und 850 mg Docosahexaensäure. In den ersten sechs Monaten wurden die Fischöl-Kapseln als Monotherapie mit Placebo verglichen.

Danach erhielten alle Patienten (also auch im Placebo-Arm) zusätzlich Interferon beta-1a. Primärer Endpunkt waren die Veränderungen in den T1-gewichteten Gadolinium-anreichernden Läsionen bei der Kernspintomografie. Zu den sekundären Endpunkten gehörten neben der Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie nach 9 und 24 Monaten auch klinische Parameter wie die Schubrate, das Fortschreiten der Behinderungen, die „Fatigue“ sowie Lebensqualität und Sicherheit.

In keinem Endpunkt kam es zu einer Verbesserung, berichten Øivind Torkildsen von der Haukeland Universitätsklinik in Bergen und Mitarbeiter jetzt. Die Zahl der Läsionen nahm im Verlauf der Studie unter der Fischöl-Therapie sogar tendenziell zu. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant, so dass Torkildsen keinen Anhaltspunkt für eine Störung der Interferon-Therapie durch die Omega-3-Fettsäuren sieht. Da es unter der Therapie zu keinen relevanten Nebenwirkungen kam, muss den Patienten ärztlicherseits aber nicht davon abgeraten werden. © rme/aerzteblatt.de

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