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Medizin

Lungenkrebs: Avastin ohne Vorteile bei älteren Patienten

Mittwoch, 18. April 2012

Boston – Bei Patienten über 65 Jahren kann die zusätzliche Therapie mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin) die Ergebnisse der Chemotherapie beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) wahrscheinlich nicht verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Analyse von Medicare-Begünstigten im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 1593-1601).

Avastin erhielt 2006 eine FDA-Zulassung (EMA 2007) zur Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC. Ausschlaggebend waren die Ergebnisse der E4599-Studie, in der Bevacizumab in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel das Gesamtüberleben gegenüber einer alleinigen Therapie mit Carboplatin und Paclitaxel von 10,3 auf 12,3 Monate verlängert hatte. Schon damals deutete eine Subgruppen-Analyse an, dass ältere Patienten weniger von der Therapie profitieren könnten. Die Auswertung der Daten von 4.168 Begünstigten der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung für Senioren Medicare bestätigt dies jetzt.

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Die Gruppe um Deborah Schrag vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston verglich drei Kohorten. In der ersten Kohorte aus den Jahren 2006 und 2007 waren die Patienten zusätzlich zur Chemotherapie mit Avastin behandelt worden. Ihre mediane Überlebenszeit betrug 9,7 Monate. Die zweite Kohorte bestand aus Patienten, die in diesen Jahren eine Chemotherapie ohne Zusatz von Bevacizumab erhalten hatten. Sie lebten median noch 8,9 Monate. Die dritte Kohorte setzte sich aus Patienten zusammen, die in den Jahren 2002 bis 2005 vor der Zulassung von Avastin für das NSCLC behandelt wurden.

Diese lebten unter der Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel im Durchschnitt noch 8,0 Monate. Die Einjahresüberlebensraten in den drei Kohorten betrugen 39,6 Prozent (alle drei Medikamente) versus 40,1 Prozent (nur Chemotherapie in 2006-2007) versus 35,6 (Standardchemotherapie in  2002-2005). Die Unterschiede waren auch in mehreren „propensity score“ gewichteten Analysen, die Ungleichheiten in den Patientengruppen auffangen sollen, nicht signifikant, ein Vorteil für den Bevacizumab-Zusatz also nicht erkennbar.

Schrag rät deshalb zu einem zurückhaltenden Einsatz bei älteren Patienten. Sie kritisiert, dass Senioren in der E4599-Studie unterrepräsentiert waren (der Anteil betrug 44 Prozent). Da retrospektive Studien anfällig für Verzerrungen (Bias) sind, fällt es dem Hersteller nicht schwer, die Studie zu kritisieren. Laut Roche beträgt die mediane Überlebenszeit in den Beobachtungsstudien nach der Zulassung 13,6 Monate, selbst bei Patienten über 70 Jahren sei mit 12,6 Monaten deutlich höher als in der Analyse der Medicare-Daten, teilte die Firma der Wirtschaftspresse mit. © rme/aerzteblatt.de

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