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Politik

Pro und Contra zur Präimplantations­diagnostik

Freitag, 27. April 2012

Köln – Die umstrittene Methode der Präimplantationsdiagnostik (PID) wurde im Jahr 2010 vom Bundesgerichtshof erlaubt. Im vergangenen Jahr trat das PID-Gesetz in Kraft, und im Januar kam das erste „PID-Baby“ zur Welt. Redakteurinnen des Deutschen Ärzteblattes nehmen Stellung zu dieser Methode und gehen der Frage nach, ob sie in engen Grenzen zu rechtfertigen ist.

Psychisch und physisch weniger belastend

Grundsätzlich  begrüße ich die Möglichkeit, die Präimplantationsdiagnostik (PID) in engen Grenzen durchzuführen. Durch sie erhalten die betroffenen Familien zwar kein Recht auf ein gesundes Kind, jedoch die Chance auf ein Kind ohne die eine, spezielle Behinderung, für die sie ein hohes genetisch bedingtes Risiko tragen.

Die PID kommt auch nur für anamnestisch stark belastete Paare infrage, für deren Nachkommen ein hohes Risiko einer familiär bekannten und schwerwiegenden genetisch bedingten Erkrankung besteht. Für sie ist oftmals die PID, also eine In-vitro-Befruchtung „auf Probe“, psychisch und physisch weniger problematisch als eine Pränataldiagnostik mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch, also eine „Schwangerschaft auf Probe“. Der häufig von Betroffenen beklagte Widerspruch „PND und Abtreibung: ja – PID: nein“  wird durch das PID-Gesetz aufgelöst.

Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass die PID durchaus einen selektionistischen Ansatz enthält, auf den Kritiker immer wieder hinweisen. Sie ist in der Tat eine nicht wirklich notwendige medizinische Maßnahme. Denn Alternativen zum eigenen Kind sind möglicherweise denkbar, zum Beispiel eine Adoption. Deshalb ist es wichtig, dass in der noch ausstehenden Rechtsverordnung die rechtlichen Rahmenbedingungen verantwortungsvoll ausgestaltet werden. Die Zahl der in Deutschland durchgeführten PID muss auf die oben genannten Fälle begrenzt bleiben. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Ein Methode der Selektion

Man müsste schon herzlos sein, wenn man kein Verständnis für das Ehepaar  hat, dem nach einer langen Leidensgeschichte mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) zu einem gesunden Kind verholfen wurde. Es ist auch vollkommen nachvollziehbar, wenn man eine PID einem extrem belastenden Spätabbruch vorzieht.

Und auch wenn die genetische Methode nicht der Herstellung eines Designerbabys gilt, was Reproduktionsmediziner glaubhaft versichern, so führt dennoch kein Weg daran vorbei, dass die PID letztendlich doch eine Methode der Selektion ist. Bei Spätabbrüchen nach einer medizinischen Indikation muss eine Gefahr für die körperliche und seelische Gesundheit der Mutter vorliegen; eine schwere Erkrankung oder Behinderung des Fötus allein ist kein zulässiger Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Bei der PID geht es dagegen darum, auf Probe erzeugte Embryonen  mit einer bestimmten Erkrankung von vornherein auszusortieren.

Die Gefahr des Dammbruchs ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Jeder Katalog, auch ein solcher besonders schwerwiegender Veranlagungen oder Behinderungen, hat letztendlich Selektionscharakter und lädt zur Ausweitung auf weitere Indikationen ein. Und so sehr ich den Wunsch nach einem gesunden Kind verstehen kann: Es gibt kein Recht auf ein Kind, und es gibt auch kein Recht auf ein gesundes Kind.

Ein weiteres Argument, dass gegen die PID spricht, ist ihr Verstoß gegen den Embryonenschutz. Nach dem Embryonenschutzgesetz und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts beginnt menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Damit ist ein Embryo ein menschliches Wesen und darf nicht einfach „verworfen“ werden, wie das Absterbenlassen des Embryos euphemistisch bezeichnet wird. Gisela Klinkhammer ©  /aerzteblatt.de

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