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Medizin

Frühe enterale Ernährung schadet Frühgeborenen nicht

Montag, 23. April 2012

Oxford – Die nekrotisierende Enterokolitis kann durch eine verlängerte parenterale Ernährung von Frühgeborenen nicht verhindert werden. Der frühzeitige Übergang zur enteralen Nahrung hat in einer randomisierten klinischen Studie in Pediatrics (2012; doi: 10.1542/peds.2011-2379) die Morbidität der Frühgeborenen sogar gesenkt.

Die nekrotisierende Enterokolitis ist eine gefürchtete Folge der Organunreife von Frühgeborenen. Die Auslöser der schweren entzündlichen Erkrankung, die den gesamten Gastrointestinaltrakt erfassen kann, sind unbekannt. Die Sorge um Gesundheit und Leben der Neugeborenen hat früher dazu geführt, dass die Kinder nach der Geburt zunächst parenteral ernährt wurden. In Deutschland ist zwar laut der Leitlinien der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin ein früher enteraler Nahrungsbeginn in den ersten Lebenstagen üblich, die Evidenz war jedoch bisher schwach.

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Jetzt liegen erstmals die Ergebnisse einer größeren randomisierten klinischen Studie vor. Die Abnormal Doppler Enteral Prescription Trial Collaborative Group schloss an 54 Kliniken in Großbritannien und Irland insgesamt 404 Kinder ein, die vor der 35. Woche geboren wurden, ein Geburtsgewicht unterhalb der 10. Perzentile hatten und einen abnormalen Befund in der vorgeburtlichen Doppleruntersuchung der Nabelschnur aufwiesen. Die Hälfte der Kinder wurde frühzeitig am 2. Tag nach der Geburt auf eine enterale Ernährung umgestellt, wobei eine Milchnahrung bevorzugt wurde. In der anderen Gruppe wurde die parenterale Ernährung bis zum 6. Tag fortgesetzt.

Wie Alison Leaf von der National Perinatal Epidemiology Unit an der Universität Oxford und Mitarbeiter berichten, geht der frühe Start der enteralen Ernährung nicht mit dem befürchteten Anstieg in der Häufigkeit der nekrotisierenden Enterokolitis einher. Die Inzidenz war mit 18 versus 15 Prozent nicht-signifikant erhöht (relatives Risiko 1,2; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,77–1,87).

Demgegenüber hatte der frühe Beginn der enteralen Ernährung mehrere Vorteile: Die Gesamtdauer der parenteralen Ernährung und der intensiven Betreuung wurde verkürzt und es kam seltener zu einem cholestatischen Ikterus. Schließlich hatten die Kinder bei der Entlassung ein höheres Gewicht. Die Ergebnisse entlasten laut Leaf die Neonatalstationen der Kliniken, da die Plätze in den Inkubatoren früher anderen Neugeborenen zur Verfügung gestellt werden könnte, die sie dringender benötigen. © rme/aerzteblatt.de

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