NewsPolitikBahr kritisiert Fehlanreize bei den Krankenhaus­behandlungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bahr kritisiert Fehlanreize bei den Krankenhaus­behandlungen

Dienstag, 24. April 2012

Daniel Bahr /dapd

Düsseldorf – Falsche Anreize dafür, die Krankenhausbehandlungen auszuweiten, sieht Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP). „Wir haben in den vergangenen Jahren eine starke Steigerung der Krankenhausausgaben erlebt – nicht was die Preise angeht, die sind gedeckelt, sondern durch Mengensteigerung“, sagte der Minister gestern Abend bei einer Veranstaltung in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein.

Bahr bezog sich dabei auch auf eigene Erfahrungen. So habe er im Dezember „inkognito“ einen Tag in einer Klinik im weißen Kittel verbracht – „ich sage nicht welche Klinik“ – und dabei erlebt, wie einem 92-Jährigen dementen Patienten wegen des Verdachts auf ein Herzereignis die „komplette kardiologische Diagnostik”  zugemutet worden sei.

Anzeige

Bahr ging in diesem Zusammenhang auch auf die Forderung der Kliniken ein, die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst durch zusätzliche Mittel beziehungsweise das Zurücknehmen von Sparmaßnahmen zu finanzieren. „Wenn wir den Mengendruck reduzieren, können wir da vielleicht etwas tun“, sagte er.

Zuvor hatte der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn (CDU), in Aussicht gestellt, die Kliniken bei den Lasten aus den jüngsten Lohnrunden zu unterstützen.

Bahr ging in seinen Ausführungen auch auf die elektronische Gesundheitskarte ein. „Was wollen sie denn?“, rief er den Kritikern der Karte zu. Datenschutzrechtlich kritische Projekte wie die elektronische Patientenakte und das elektronische Rezept würden doch „nicht verfolgt.“ © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #104249
Senbuddy
am Freitag, 4. Mai 2012, 13:37

Herrn Bahrs Argument und @Mathilda

@ Mathilda: Jaja, es geht um "Menschenleben"....

Das ist das Totschlag-Argument einer jeden "Datenkrake". Jeder Terrorschützers, jeder Flugdatenüberwacher, sogar jeder Telefon - Abhörer und viele andere, ähnlich Gesonnene argumentieren so. Und wenn man nicht alles mitmachen will, ist man ja gleich "von gestern".

Aber sogenannter "Fortschritt" ist kein Selbstzweck und darf schon gar nicht in Zwang ausarten, nur weil man sonst altmodisch ist. Und Inhalte von Büchern werden nicht dadurch besser, dass man sie "online" kauft oder liest.

Nein, Vorteile und Nachteile elektronischer Datenspeicherungsmöglichkeiten müssen mit dem Einbeziehen aller Aspekte - vor allem auch denen des Datenschutzes - abgewogen werden.

Die Vorteile von Datenspeicherungen im großen Stil können in einzelnen Aspekten unbestritten sein.

Aber das Hauptproblem von großen Datenmengen auf Speichermedien, in zentralen Datenbanken und dergleichen ist darin zu sehen, dass deren zu Beginn illegale Nutzung im Laufe der Zeit bei Gewöhnung, fehlender Sachkenntnis und bei fehlendem Widerspruch der "Überwachten" nach und nach immer weiter legalisiert und ausgeweitet werden. In kleinen "Beigaben" zu anderen Gesetzesvorhaben werden die Dinge dann erweitert, ausgebaut und der ehemals eng gesteckte Rahmen nach der "Boiled - Frog - Methode" nach und nach ausufernd und monströs. (Siehe die "Zentrale Kontendatei", eingeführt 2001, aber still und leise als kleine Beigabe zum Steueränderungsgesetz 2006 durch Steinbrück massiv erweitert. Vorher gings wegen 9/11 um Menschenleben danach nur noch um Überwachung als Selbst- oder Steuerprüfungszweck).

Das war in allen groß angelegten Projekten dieser Art bisher so. Und es wird auch hier so passieren. Herrn Bahrs Argument ("Datenschutzrechtliches wird nicht verfolgt") ist also überhaupt nicht glaubhaft. Und er als an sich liberaler Politiker sollte es besser wissen.

Wenn man z.B. weiß, mit welcher Energie, Akribie und sozusagen "Schaum vorm Mund" manche Staatsanwaltschaften heute schon Schulungen und Rundschreiben zu den Möglichkeiten einer über das Legale hinausgehenden Nutzung von Vorratsdaten veranstalten (http://localchange.files.wordpress.com/2011/12/leitfaden_datenzugriff_voll.pdf), weiß man auch, dass auch bei den eGK-Daten noch jede Menge "Begehrlichkeiten" von allen möglichen staatlichen und halbstaatlichen Stellen aufkommen werden.

Und wer das nicht bedenkt, dem kann man genauso zurufen "Ja, wo leben Sie denn ?".

Viele Grüße
S.
Avatar #108046
Mathilda
am Mittwoch, 25. April 2012, 11:38

Ja, wo leben Sie denn?

Bezahlen Sie auch noch mit Euroscheck? Kaufen Sie Bücher bei amazon oder bestellen Sie Literatur mit wochenlanger Wartezeit im Buchhandel? Serven Sie im Internet oder leihen Sie sich dutzende Bücher, wenn Sie eine medizinische Fragestellung benatwortet haben wollen?
Die Welt dreht sich weiter!
Fragen Sie mal die Angehörigen multimorbider, ggf. noch dementer Patienten - die werden Ihnen mit großer Mehrheit bestätigen, wie froh sie über eine eGK mit elektronischer Patientenakte und der Möglichkeit der Online-Prüfung und Steuerung von Facharztbesuchen und Medikationen durch den Hausarzt wären! Manchmal glaube ich, einige Fachärzte und selbsternannte "Datenschützer" leben auf dem Mars! Es geht hier um Menschenleben - um es mal etwas überspitzt auszudrücken!
Avatar #98372
Thelber
am Mittwoch, 25. April 2012, 00:03

Ja, was will er denn ?

.... Er könnte doch mit der "alten Karte" zufrieden sein ?1?
Noch besser; mit einem Krankenscheinheft wie früher, da war der Mengenausweitung durch den Patienten ein Stück Papier vor. Und wer unbedingt wollte, der bekam auf der Geschäftsstelle durchaus auch vor Jahrzehnten bereits ein weiteres Stück Papier (für die so hoch gelobte Zweitmeinung9, auf dem "Krankenschein" stand.
Nicht immer ist die "moderne" Lösung auch die "bessere" Lösung.
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER