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Medizin

Xenotransplantat heilt Typ-1-Diabetes bei Mäusen

Dienstag, 24. April 2012

München – Ein deutsch-japanisches Forscherteam hat Schweine mit einem Gen ausgestattet, das Abstoßungsreaktionen seiner Organe verhindert. In Diabetes (2012; doi: 10.2337/db11-1325) berichten sie, wie der Typ-1-Diabetes mellitus bei Mäusen durch eine Inselzelltransplantation auf Dauer geheilt wurde. Klinische Versuche beim Menschen sind vorerst nicht vorgesehen.

Auch beim Menschen ist eine Heilung des Typ-1-Diabetes mellitus durch eine Organtransplantation möglich. Dazu muss entweder das Pankreas des Patienten ersetzt werden oder die Inselzellen in die Lebervene infundiert werden, wo sie dann Insulin produzieren. Dieser Weg wird jedoch selten beschritten, da die Spenderorgane rar sind. Zum anderen müssen die Patienten lebenslang mit Immunsuppressiva behandelt werden, was größere Nachteile hat als die lebenslange Substitution mit Insulin. Die wenigen Pankreas- oder Inselzelltransplantationen werden deshalb bei Patienten durchgeführt, die bereits einen Nierentransplantation benötigen.

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Grundlagenforscher loten derzeit die Möglichkeiten einer Xenotransplantation aus. Dabei bieten sich Schweine an. Ihr Insulin unterscheidet sich nur in einer Aminosäure vom menschlichen Insulin. Vor der Einführung des Humaninsulins waren Schweine neben Rindern die einzige Quelle für die Insulintherapie. Eine Xenotransplantation ist derzeit keine Option, da es zu einer sehr starken Abstoßungsreaktion kommt. Die Inselzellen von Schweinen würden nach kurzer Zeit vom menschlichen Immunsystem vernichtet.

Die Expression von CTLA4 könnte dies verhindern. CTLA4 (für cytotoxic T-Lymphocyte Antigen 4) ist ein Bestandteil von regulatorischen T-Zellen. Diese Zellen sind im Immunsystem für die Immuntoleranz verantwortlich, die Autoimmunreaktionen und Abstoßungen verhindert. Ein Team um Eckhard Wolf und  Jochen Seißler von der Ludwig-Maximilians-Universität München haben zusammen mit Forschern der Meiji Universität in Kawasaki das Gen für CTLA4 in das Erbgut von Schweinen integriert.

Die Inselzellen dieser Tiere waren danach „immun“ gegen die Abstoßung in anderen Spezies. Die Forscher konnten Mäuse durch eine Inselzelltransplantation von einem Typ-1-Diabetes mellitus heilen, ohne dass die Tiere hochdosiert mit Immunsuppressiva behandelt werden mussten. Ob dies auch im menschlichen Organismus gelingt, haben die Forscher noch nicht untersucht.

Dies dürfte vorerst auch nicht geschehen, da es prinzipielle Bedenken gegen Xenotransplantationen gibt. Diese gründen weniger aus ethischen Grundsätze als auf die Gefahr, dass mit dem speziesfremden Gewebe Retroviren dauerhaft ins menschliche Erbgut gelangen könnten. Die jetzt vorgestellten erfolgreichen Experimente könnten die Dringlichkeit von klaren Regeln für Xenotransplantationen erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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