Politik

Spahn fordert Durchgreifen gegen Heim-Missstände

Mittwoch, 25. April 2012

Berlin – Nach der Veröffentlichung des neuen Pflegeberichts hat der CDU-Gesundheits­politiker Jens Spahn ein härteres Vorgehen gegen auffällige Heime gefordert. „Dort, wo es Missstände gibt, muss die Aufsicht hart durchgreifen und notfalls endlich auch Einrichtungen schließen“, sagte Spahn der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Mittwoch. Der gestern veröffentlichte Pflege-Qualitätsbericht der Krankenkassen hatte der Branche zwar spürbare Verbesserungen bescheinigt, aber weiterhin Defizite etwa bei der Vermeidung von Druckgeschwüren bei Bettlägerigen festgestellt. Dort sei bisher wenig passiert. 

Der Vorsitzende der CDU-Seniorenunion, Otto Wulff, forderte ein „Gütesiegel“ für Pflegeheime. Bei der Pflege liege mehr im Argen als nach außen dringe. Die Einrichtungen der Alten- und Behindertenpflege müssten regelmäßig von den Leistungsträgern, Ordnungsämtern und Sozialverbänden kontrolliert werden.

Anzeige

Der Sozialverband VdK und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) verlangten von Schwarz-Gelb Nachbesserungen. „Die geplante Pflegereform wird die Probleme im Pflegesystem nicht lösen“, erklärte der vzbv in Berlin. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher hob hervor, die vorliegenden Reformvorschläge seien „alles andere als der Beginn einer Neuorientierung in der Pflege“.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig forderte als Reaktion auf den Bericht mehr Betreuungszeit für Heimbewohner und eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte. „Das Personal hat immer weniger Zeit, die Menschen zu betreuen, die Bezahlung ist nicht gut. Wir müssen Bürokratie abbauen und die Anerkennung für den Beruf der Pfleger stärken“, sagte Schwesig der Passauer Neuen Presse vom Mittwoch. Die Lage sei insgesamt nicht zufriedenstellend.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Forderung Spahns: Dieser müsse „als Vertreter der Regierungskoalition“ in der Pflegereform in der Lage sein, die gesetzlichen Möglichkeiten so eng zu fassen, dass Schlechtleistern unter den Pflegeanbietern erfolgreich der Versorgungsvertrag entzogen werden könne, erklärte Vorstandsmitglied Ellen Paschke.

Bislang sei bei den Verhandlungen zur Pflegerefom geplant, die Voraussetzungen für Versorgungsverträge zu lockern statt zu verschärfen. Spahn müsse sich für Nachbesserungen einsetzen, wenn sein Vorstoß zu härterem Durchgreifen nicht nur Populismus sei, forderte Paschke. Am Donnerstag will der Bundestag in Berlin erstmals über die Pflegereform und die geplanten Neuerungen debattieren. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.02.17
Pflegebefragung: Zwei Drittel würden Heime weiterempfehlen
Hamburg – Als erstes Bundesland hat Hamburg eine Umfrage unter Angehörigen von Heimbewohnern zur Qualität der Pflege und Betreuung vorgenimmen. Demnach würden zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten......
24.01.17
Berlin – Nach Einschätzungen von Sozialverbänden nutzen einige Betreiber von Altenheimen die aktuelle Pflegereform, um die Preise für ihre Bewohner spürbar anzuheben. Das berichtet die Welt am Sonntag......
24.01.17
München – Nach dem Skandal in Unterfranken will Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Altenheime im Freistaat besser kontrollieren. Patientenschützer begrüßen den Vorstoß, doch Pflegern geht er......
23.01.17
Untermerzbach/München – Als Reaktion auf ungeklärte Todesfälle in einem unterfränkischen Seniorenheim will Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Heimaufsicht gesetzlich neu regeln. Hauptaufgabe......
16.12.16
München – Um Barrieren im Alltag abzubauen, haben bayerische Pflegekassen die Präventionsmaßnahme „Gutes Sehen“ gestartet. Sie richtet sich an Bewohner und Mitarbeiter vollstationärer......
24.11.16
Berlin – Die Pflegereformen der Bundesregierung werden im kommenden Jahr zu Mehrkosten von sieben Milliarden Euro führen. In den Pflegeheimen wird von diesen Geldern jedoch nur wenig ankommen. Das......
08.11.16
Witten/Herdecke – Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke haben im Rahmen ihres Forschungsprojektes „Reduktion von Krankenhauseinweisungen – innovative Versorgung akut erkrankter......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige