NewsMedizinMeta-Analyse: Botox nur bei chronischer Migräne (schwach) wirksam
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meta-Analyse: Botox nur bei chronischer Migräne (schwach) wirksam

Mittwoch, 25. April 2012

dpa

Milwaukee – Seit der FDA-Zulassung gilt Botulinumtoxin A als evidenzbasierte prophylaktische Behandlung der Migräne. Die Wirkung ist einer Meta-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 1736-1745) zufolge jedoch nur schwach und ein Einsatz nur bei häufigen Schmerzattacken sinnvoll.

Die Zulassung der FDA im Oktober 2010 beruhte auf zwei randomisierten klinischen Studien, in denen die Wirkung von Onabotulinumtoxin A mit Placebo verglichen wurde. In beiden Studien kam es zwar zu einer signifikanten Reduktion der Schmerztage. Die Effektstärke war allerdings gering, und nach Ansicht des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) sind die vierteljährlichen Injektionen in die Muskulatur von Kopf und Hals nicht kosteneffektiv.

Anzeige

NICE riet dem Staatlichen Gesundheitsdienst in England und Wales deshalb im Februar 2012 vom Einsatz des Mittels ab, das durch Medienberichte möglicherweise eine höhere Aufmerksamkeit erhielt, als seiner Wirkung angemessen wäre. NICE bezweifelte auch, dass Botulinumtoxin mehr als ein modernes Placebo ist. Die Studienteilnehmer hätten aufgrund der Muskellähmungen leicht erkennen können, ob sie Placebo oder Botulinumtoxin erhalten hätten. Der durch die Medien geschürte Wunderglauben könnte dann die begrenzte Wirkung durchaus erklären.

Zu einer relativierenden Einschätzung der Fähigkeiten von Botulinumtoxinen gelangen jetzt auch Jeffrey Jackson vom Medical College of Wisconsin in Milwaukee und Mitarbeiter in einer Meta-Analyse. Einbezogen wurden 27 placebokontrollierte und 4 Vergleichsstudien, wobei neben dem Migräneschmerz auch Spannungskopfschmrzen einbezogen wurden. Die große Datenmenge (5.313 Patienten allein in den placebokontrollierten Studien) ermöglichte eine Untergliederung in episodische (weniger als 15 Krankheitstage im Monat) und chronische (15 oder mehr Krankheitstage) Kopfschmerzen.

Eine signifikante Wirkung war nur bei chronischen Kopfschmerzen erkennbar. Die prophylaktischen Injektionen von Botulinumtoxin A senkten die Krankheitstage um 2,06 pro Monat bei chronischen Spannungskopfschmerzen und um 2,30 pro Monat bei der chronischen Migräne. Bei episodischen Kopfschmerzen/Migräne war dagegen keine signifikante Wirkung erkennbar.

Interessant war auch der Vergleich mit anderen Therapiemodalitäten. Die Injektionen von Botulinumtoxin waren in der Prophylaxe der chronischen Migräne weder Topiramat noch Amitriptylin überlegen. Nur in einer Studie zur Therapie des chronischen Spannungskopfschmerzes war die Wirkung besser als die von Methylprednisolon. Hier wurde eine Reduktion der Kopfschmerztage um 2,5 pro Monat erzielt.

Diese Zahlen stellen den Einsatz von Botulinumtoxin – wenigstens als Mittel der Wahl – nach Ansicht der Autoren infrage, zumal die Therapie nicht ohne Nebenwirkungen ist. Dazu zählen eine Blepharoptosis, Spannungsgefühle der Haut, Parästhesien, Nackensteifigkeiten, Muskelschwächen und Nackenschmerz. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. November 2019
New York – Der CGRP-Antagonist Ubrogepant, der die blutgefäßerweiternden Eigenschaften des „Calcitonin Gene-Related Peptide“ (CGRP) aufhebt, hat in einer Phase 3-Studie im amerikanischen Ärzteblatt
Migräne: CGRP-Antagonist Ubrogepant stoppt Kopfschmerzattacken
14. Oktober 2019
Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat mit dem Serotonin-Agonisten Lasmiditan ein neues Medikament zur Behandlung von Migräneattacken bei Erwachsenen zugelassen. Lasmiditan darf anders als
USA: Serotonin-Agonist Lasmiditan zur Behandlung von Migräneattacken zugelassen
9. Oktober 2019
Stuttgart – Neue Substanzen könnten für Migränepatienten, bei denen die Einnahme von Triptanen kontraindiziert ist, eine Therapieoption sein. Das haben Experten auf der Jahrestagung der Deutschen
Neue Substanzklassen für Akuttherapie der Migräne in klinischer Prüfung
25. September 2019
Berlin – Migräne ist bei Frauen und Männern unterschiedlich mit kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert. Die Forschung trage diesem Fakt aber unzureichend Rechnung, kritisierte Antoinette Maassen van
Migräne: Geschlecht relevant für kardiovaskuläre Gesundheit
12. August 2019
Boston – Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke gelten bei Migräne-Patienten als mögliche Trigger für Schmerzattacken. Eine prospektive Kohortenstudie im American Journal of Medicine (2019; doi:
Migräne: Anfallsrisiko steigt erst ab der dritten Tasse Kaffee oder anderer koffeinhaltiger Getränke
22. Juli 2019
Berlin – Mit einer leitliniengerechten und individualisierten Therapie ist heute fast jede Migräne beherrschbar. Das haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Migräne- und
Selbstmedikation von Migräne führt häufig in die Chronifizierung
15. Juli 2019
London – Der CGRP-Antikörper Galcanezumab, der zur Anfallsprophylaxe der Migräne zugelassen ist, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 132-141) auch bei
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER