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Medizin

ASS könnte Heilung bei Darmkrebs unterstützen

Mittwoch, 25. April 2012

Leiden – Acetylsalicylsäure (ASS) ist seit einigen Jahren als Mittel zur Krebsprävention in der Diskussion. Epidemiologen schreiben dem Mittel jetzt im British Journal of Cancer (2012; 106: 1564–1570) beim Kolonkarzinom sogar eine therapeutische Wirkung zu.

Die Gruppe um Gerrit-Jan Liefers vom Leiden University Medical Centre hat die Daten von 4.500 Darmkrebspatienten aus dem Eindhoven Cancer Registry zusammen­getragen. Durch Unterstützung des PHARMO-Instituts konnten die Epidemiologen recherchieren, welche Medikamente den Patienten vor und nach der Diagnose verschrieben wurden. Drei Viertel hatten ASS eingenommen. Die Indikation dürfte vor allem die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Behandlung entzündlicher Erkrankungen gewesen sein. Zum Therapieplan bei Darmkrebs zählt ASS bisher nicht.


Laut Liefers könnte ASS jedoch die Chance, den Krebs zu überleben erhöht haben. Seine Analyse ergab ein um 23 Prozent vermindertes Sterberisiko (adjustierte Rate Ratio RR 0,77; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,63–0,95). Für das Kolonkarzinom war das Sterberisiko sogar um 45 Prozent vermindert (RR 0,65; 0,50–0,84). Beim Rektumkarzinom war die ASS-Einnahme dagegen nicht mit einem verminderten Sterberisiko assoziiert.

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Die beste „Wirkung“ erzielte ASS, wenn die Therapie erst nach der Diagnose begonnen wurde. Liefers vermutet, dass Patienten, die trotz „präventiver“ ASS-Einnahme an Darmkrebs erkranken, besonders aggressive Tumore haben, die dann auch nicht mehr auf ASS ansprechen. Das ist allerdings sehr spekulativ, wie auch die retrospektive Auswertung von Datenbanken keine Evidenz für eine therapeutische Wirkung beanspruchen kann.

Eine therapeutische Wirkung kann nur durch randomisierten Therapiestudien belegt werden. Eine Vertreterin der Stiftung Cancer Research UK warnte in den Medien den Patienten sogar vor einer unkritischen Einnahme von ASS, das lebensgefährliche Blutungen auslösen kann und deshalb nicht ohne gesicherten Beleg einer Wirkung eingenommen werden sollte.

Für eine präventive Wirkung von ASS bei Darmkrebs und anderen Malignomen gibt es dagegen Wirkungsbelege aus randomisierten klinischen Studien (die allerdings zu einer anderen Indikation, nämlich der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgeführt wurden). Das Team um Peter Rothwell von der Universität Oxford hatte die Ergebnisse kürzlich in mehreren Meta-Analysen zusammengefasst.

Danach könnte die tägliche Einnahme von ASS das Risiko an Krebs zu sterben, um 15 Prozent senken. Die Häufigkeit von metastasierenden Erkrankungen wurde sogar um 36 Prozent vermindert. Rothwell lieferte jedoch keine Zahlen zur Gesamtsterblichkeit, so dass unklar bleibt, inwieweit die Krebsprävention durch eine erhöhte Rate von tödlichen Blutungskomplikationen erkauft wird. © rme/aerzteblatt.de

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