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Klinikkonzerne: Helios will Rhön übernehmen

Donnerstag, 26. April 2012

dapd

Berlin – Die privaten Klinikkonzerne Helios und Rhön-Klinikum sollen zu einem Unternehmen zusammengeführt werden. Der Gesundheitskonzern Fresenius, zu dem auch Helios gehört, hat den Rhön-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot für die Aktien der Gesellschaft in Höhe von 22,50 Euro je Aktie unterbreitet. Das sind rund 50 Prozent mehr, als die Aktie gestern wert war (XETRA-Schlusskurs: 14,71 Euro).

Nach einer Börsen-Pflichtmitteilung hat Rhön-Gründer Eugen Münch, der gemeinsam mit seiner Frau 12,5 Prozent der Aktien hält, bereits angekündigt, das Angebot anzunehmen. Bei Rhön  selbst heißt es, man werde das Übernahmeangebot erst noch genau prüfen. Diese Stellungnahme werde sich nicht nur auf die Angemessenheit des Preises beziehen, sondern auch auf die Frage, ob das Angebot auch das Unternehmensinteresse und damit insbesondere auch die berechtigten Interessen der Arbeitnehmer wahre.

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Damit es wirksam wird, müssen mindestens 90 Prozent der Aktionäre dem Angebot zustimmen. Würde Fresenius alle Rhön-Aktien kaufen, entspräche das einem Kaufpreis von 3,1 Milliarden Euro.

Durch den Zusammenschluss von Helios und Rhön entstände ein bundesweit tätiger Klinikkonzern mit mehr als 104 Akutkrankenhäusern und einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Nach Helios-Angaben werde dann für 75 Prozent der deutschen Bevölkerung ein von Helios/Rhön geführtes Krankenhaus in weniger als einer Stunde erreichbar sein.

„Der Zusammenschluss mit Rhön bietet große Chancen. Wir können nicht nur von den Stärken des anderen lernen und weitere Qualitätsverbesserungen und Kostenvorteile realisieren. Die Erfahrung beider Unternehmen im Betreiben von Krankenhäusern sowie die Bündelung der medizinischen wie pflegerischen Expertise bieten zusätzliche hervorragende Perspektiven für unsere Patienten“, sagte der Vorsitzende der Helios-Geschäftsführung, Francesco De Meo. Erstmals entstehe mit der flächendeckenden Präsenz im deutschen Gesundheitsmarkt für Helios die Möglichkeit, neue integrierte Versorgungsangebote zu entwickeln.

De Meo: „Wir möchten gemeinsam mit den Krankenkassen und den niedergelassenen Ärzten künftig auch neue Ideen entwickeln, um eine bestmögliche, lückenlose medizinische Versorgung für unsere Patienten in der Stadt wie auf dem Land sicherzustellen.“

Seit Bekanntgabe des Übernahmeangebots  steigt die Rhön-Aktie und notiert aktuell (10.45 Uhr) bei 22,10 Euro.

Der Vorsitzende des Interessensverbandes Kommunaler Krankenhäuser, Bernhard Ziegler, sagte dem Tagesspiegel vom Freitag, er könne sich nicht vorstellen, „dass die Übernahme durch das Kartellamt genehmigt wird. Die Gewichte würden sich dadurch weiter zu Lasten der öffentlichen Träger verschieben.“ Es könne nicht sein, dass die Wettbewerbshüter Zusammenschlüsse und Kooperationen von Gemeinwohl orientierten kommunalen Unternehmen verböten, aber einen privaten Klinikriesen entstehen ließen.

Die Gewerkschaft Verdi äußerte die Befürchtung, „unrealistische Renditeziele“ des Klinikbetreibers könnten zu Personalabbau führen. Es entstünden durch den neuen Großkonzern „nicht mehr aufzuholende Nachteile für öffentliche, kirchliche und freigemeinnützige Krankenhäuser“. Verdi wehre sich dagegen, „dass aus Mitteln der Kran­ken­ver­siche­rung die Rendite von Aktionären bezahlt wird“. © JF/aerzteblatt.de

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Avatar #105137
Dr. P. Weyland
am Freitag, 27. April 2012, 11:55

Klinikkonzerne

Der Kommentar von Verdi trifft genau den Punkt. Es geht nur darum, möglichst hohe Gewinne zu erzielen, die Sicherstellung der meidizinischen Versorgung ist ein Hohn. In Oberstaiufen gibt es eine weithin anerkannte Krebsklinik, die sich vor allem auch durch eine gute psychonkolopgische Betreuung einen Namen gemacht hat. Sie ist fast durchgängig ausgebucht und hat der Firma Helios zu viel Geld verholfen. Nun ist sie angeblich unrentabel, wird geschlossen, die Akutversorgung der Krebspatienten muss von den regionalen Krankenhäusern irgendwie aufgefangen werde, die Mitarbeiter suchen sich neue Stellen. Es bleibt abzuwarten, in welchem Gewand die Klinik auferstehen wird, wahrscheinlich als Luxusklinik, die den guten Ruf durch Eingrenzung auf Privatpatienten vergolden wird. Mir ist unverständlich, warum diese Vorgänge dem Ätrzteblatt und der übrigen Presse nicht bekannt sind, zumindest nicht erwähnt werden, obwohl sie in der Region zu erheblichen Protesten führen. Die Verbindung zwischen den Rhön-Kliniken und der Bertelsmann -Stiftung kann dann also auch von Helios genutzt werden, so dass die Öffentlichkeit mit entsprechenden Studien vom Nutzen der Privatisierung ein Bild vorgeführt bekommt, das der Realität vor Ort wohl nur selten standhalten kann. Hoffentlich kann das Kartellamt noch rechtzeitig die Brensen ziehen, bevor die Lobby und Bertelsmann die Weichen gestellt haben. Aber genau das ist wohl schon geschehen.
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