NewsPolitikZehn Jahre Stammzellgesetz: Politik zieht kritische Bilanz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Zehn Jahre Stammzellgesetz: Politik zieht kritische Bilanz

Donnerstag, 26. April 2012

München – Zehn Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Stammzellforschung hat die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) eine negative Bilanz gezogen. Sie sehe sich in ihrem Nein zu jedem Import embryonaler Stammzellen bestätigt, sagte die SPD-Politikerin heute der Süddeutschen Zeitung.

Däubler-Gmelin betonte, durch die Zulassung der embryonalen Stammzellforschung sei die Forschung mit Stammzellen aus dem Körper bereits geborener Menschen, den sogenannten adulten Stammzellen, ausgebremst worden. Die adulte Stammzellforschung wäre heute sehr viel weiter, wenn nicht Gelder in die embryonale Stammzellforschung geflossen wären.

Nach Einschätzung der SPD-Politikerin hat es zwar in Deutschland nicht den gefürchteten Dammbruch bei der Embryonenforschung gegeben. Er finde aber im Ausland statt, wo „wir heute all das haben, was wir nicht wollen: Eizellspenden, Leihmütter“. Auch in Deutschland aber sei das Ruder in die falsche Richtung umgeschlagen, etwa durch die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik im vergangenen Jahr.

Anzeige

Dagegen zog die CDU-Politikerin Maria Böhmer, die den Kompromiss eines Imports unter Auflagen wesentlich mitprägte, eine positive Bilanz. Böhmer sagte, das Stammzellgesetz habe dem Lebensschutz gedient. Embryonale Stammzellforschung sei in begrenztem Maß notwendig gewesen, um die adulte Stammzellforschung voranzubringen.

Jetzt sei die Forschung so weit fortgeschritten, dass embryonale Stammzellen nicht mehr nötig seien. Die CDU-Politikerin räumte ein, dass damals der Druck der Forschung auf die Politik enorm gewesen sei. „Manche Stammzellforscher gaben Heilsversprechen“, sagte sie.

Am 25. April 2002 hatte der Bundestag nach langer, kontroverser Debatte das Stammzellgesetz beschlossen. Es sieht im Grundsatz ein Verbot der Einfuhr und Verwendung menschlicher embryonaler Stammzellen vor, lässt aber in einem eng begrenzten Rahmen den Import von bereits vorher bestehenden Stammzelllinien zu.

Damit sollte vermieden werden, dass von Deutschland aus eine Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen veranlasst wird. Einfuhr und Verwendung dürfen nur zu Forschungszwecken erfolgen, die hochrangig und voraussichtlich nicht auf anderem Wege zu erreichen sind. Im Februar hat das zuständige Berliner Robert-Koch-Institut die 70. Importgenehmigung an ein deutsches Forschungsinstitut erteilt.

Zunächst sah das Gesetz vor, dass nur Stammzellen eingeführt und verwendet werden durften, die vor Beginn des Jahres 2002 vorhanden waren. 2008 wurde dieser Stichtag dann auf den 1. Mai 2007 verlegt. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
La Jolla, Dallas – Wissenschaftlern ist es gelungen, aus einzelnen, besonders entwicklungsfähigen Stammzellen von Mäusen eine embryoähnliche Struktur zu entwickeln und diese in Muttertiere zu
Künstliche embryoartige Struktur aus einzelner Mauszelle hergestellt
14. August 2019
Köln – Knapp ein Drittel der erwachsenen Deutschen wäre einer Umfrage zufolge bereit, sich ein in einem Tier herangewachsenes menschliches Organ implantieren zu lassen. Das geht aus einer heute
Skepsis bei in Tieren herangezüchteten Spenderorganen
1. August 2019
Köln/Berlin – Deutsche Ethikexperten halten die in Japan geplante Forschung an Mensch-Tier-Wesen prinzipiell für gerechtfertigt. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, sagte heute im
Ethiker halten Mischwesenexperimente für vertretbar
31. Juli 2019
Tokio – Japanische Forscher haben eine Genehmigung zur Zucht von menschlichen Organen in Tieren erhalten. Das zuständige Gremium des Wissenschaftsministeriums segnete den Beginn der Forschung mit
Japanische Wissenschaftler dürfen menschliche Organe in Tieren züchten
5. Juni 2019
Berlin – Wissenschaftler der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina und der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften haben sich gestern Abend in Berlin für eine umfassende Neuregelung
Leopoldina plädiert für Erlaubnis der Eizellspende
20. Dezember 2018
Washington – Die US-Bischofskonferenz hat sich erneut gegen eine mit Steuermitteln finanzierte Forschung an abgetriebenen Föten in den USA ausgesprochen. „Die Forschung mit fetalem Gewebe
Kritik an finanzieller Förderung für Forschung an Föten
3. April 2017
New York – Der an einer Eizelle vorgenommene Mitochondrien-Transfer, der im letzten Jahr zur Geburt des weltweit ersten „Drei-Eltern-Babys“ geführt hat, war technisch betrachtet nur teilweise
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER