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Politik

Eklat um neues Diabetesmedikament – Trajenta nicht in Deutschland

Freitag, 27. April 2012

Berlin – Einen Eklat bei den Preisverhandlungen für neue Arzneimittel gab es gestern zwischen dem Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und den Arzneimittelherstellern Boehringer Ingelheim und Eli Lilly and Company. Die Firmen teilten danach mit, sie beendeten die aktuellen Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzen­verband zu Trajenta® (Linagliptin). Damit wird das Medikament in Deutschland für GKV-Versicherte nicht zur Verfügung stehen.

„Ein Erstattungspreis auf dem Niveau der generischen Vergleichstherapie der Sulfonyl­harnstoffe im niedrigen zweistelligen Centbereich (Tagestherapiekosten) ist für das Unternehmen nicht akzeptabel“, hieß es von Boehringer. Die Unternehmen hatten sich einen Herstellerabgabepreis in Höhe von 1,20 Euro Tagestherapiekosten nach Abzug des Zwangsrabattes vorgestellt. Der europäische Durchschnittspreis liege bei 1,27 Euro Tagestherapiekosten.

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Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hatte aber als Vergleichstherapie offenbar die Sulfonylharnstoffe heran­ge­zogen. Die Tagestherapiekosten liegen bei dieser Substanzgruppe bei lediglich zehn bis 15 Cent.

Boehringer Ingelheim und Eli Lilly and Company gaben ihre Zusammenarbeit in der Diabetesversorgung im Januar 2011 bekannt. Trajenta® ist das erste gemeinsam vermarktete Produkt der beiden Unternehmen. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitor.

„Als unternehmerische Entscheidung, unter der vielleicht die Bilanz von Boehringer Ingelheim leiden wird, aber glücklicherweise nicht die Versorgung der Patienten“, bezeichnete der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, im Handelsblatt das Vorgehen der Firmen. Es gebe ausreichend viele sehr gute Produkte gegen Diabetes, die Ärzte verordnen könnten, sagte er der Zeitung.

Das sehen die Firmen Boehringer und Lilly naturgemäß anders. Die Therapie mit Linagliptin bei Typ-2-Diabetes-Patienten sei unabhängig vom Grad der Nierenfunktion, sagte ein Sprecher von Boehringer gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Es sei keine Dosisanpassung erforderlich, wenn die Nierenfunktion nachlasse. Das soll die Therapie vereinfachen und die Blutzuckereinstellung verbessern. Darin unterscheide sich das Medikament nicht nur von anderen Substanzklassen, sondern auch von den übrigen Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren. „Denn anders als die anderen Präparate wird Linagliptin über den Darm ausgeschieden“, so der Sprecher.

Hintergrund der Auseinandersetzung mit den Kassen sind die Regelungen des Arzneimittelmarktes-Neuordnungsgesetzes (AMNOG), das eine Nutzenbewertung neuer Arzneimittel und bei einem Zusatznutzen Preisverhandlungen mit den Kassen vorsieht. © hil/aerzteblatt.de

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Herz1952
am Mittwoch, 2. Mai 2012, 19:08

Eklat um neues Diabetesmedikament - Trajenta nicht in Deutschland

Nicht nur die Bilanz von Böhringer leidet - auch viele multimorbide Patienten!

Patienten, wie ich, die durch Multiinfarkte eine Herzschwäche haben (NYHA III), eine Niereninsuffizienz Stufe III und zu allem Überfluss Sulfonamide nicht vertragen, hätten mit Linagliptin vielleicht das Mittel der Wahl gehabt. Es ist sachlich vollkommen falsch, einen Vergleich mit Metformin herzustellen (Nierenausscheidung vs. Darmausscheidung). Insulin? Kann man in diesem Stadium nehmen, wenn man lebensmüde ist. Eine Unterzuckerung kann den Tod oder Pflegefall aufgrund der Herzschwäche bedeuten. Als Alternative habe ich Pioglitazon. Gibt bei einem unbehandelten HbA1c-Wert von 7 einen therapeutisch gewünschten Wert von 6. Mit Ernährung und Verhalten leider nicht mehr zu erreichen, Zellen altern natürlicherweise.

Die Krankenkasse hat mir die Erstattung nach Widerspruch unter diesen Umständen zugesagt. Besonders geschockt hatte mich die Begründung des G-BA, dass eine Unterzuckerung zwar einen patientenrelevanten Endpunkt darstellt, dies sei jedoch für die Entscheidung, Pioglitazon nicht mehr durch die GKV zu erstatten, sekundär. Die Patienten werden doch entsprechend geschult. Als ob nie ein Fehler bei der Dosierung passieren könnte! In diesem Moment überlegte ich mir eine Strafanzeige gegen den neutralen Vorsitzenden des G-BA, Herrn Dr. jur. Reiner Hess zu stellen. Aufgrund dessen, dass Pioglitazon jedoch in die Arzneimittelrichtlinie Anlage III aufgenommen wurde, gab es jedoch einen Ausweg.

Weniger erfreulich für Patienten ist, dass dies bei Festbetragsmedikamenten nicht der Fall ist. So war es bei Atorvastatin. Zwar war die Festbetragsfestlegung durch das BSG formaljuristisch nicht zu beanstanden, aber das Arbeitspapier des IQWiG von 2004, das dieser Entscheidung fachlich zugrunde lag, war meines Erachtens manipuliert. Es wurde die gleiche, bzw ähnliche Wirksamkeit zugrunde gelegt wie z.B. für Simvastatin, obwohl Atorvastatin 2 - 3-mal so wirksam ist, wie die Vergleichsmedikamente. Die Nebenwirkungen wurden jedoch nach der jeweiligen Höchstdosis von 80 mg verglichen. In dieser Höchstdosis war natürlich die Abbruchrate wegen unerwünschter Nebenwirkungen höher. Ich persönlich kann den therapeutisch erfordlichene HDL-Wert nur mit 40 mg Sortis erreichen und nicht mit der Höchstdosis von 80 mg Simvastatin.

Bezüglich Sortis habe ich mit dem "Patiententelefon" des G-BA (Frau Dr. Schwarzmann) gesprochen und ihr meine Erfahrungen mitgeteilt. Sie meinte, die Wirkung wäre wahrscheinlich nur bei mir so hoch. Den Hinweis, dass jeder Arzt und Patient das weis, konterte sie mit dem Hinweis, das 70 Mio. Versicherte doch nicht dafür zahlen können, nur weil es für eine relativ kleine Gruppe notwendig, bzw. von Vorteil sei. Wo bleibt da die Solidarität des Systems? Ich war schon immer persönlich bereit etwas mehr an KV-Beiträgen zu zahlen, selbst wenn es nur einem einzigen nutzt, als die selbst zu brauchen. Die Pharmafirmen ordentlich an die "Kandarre" zu nehmen, sei Sache der Politik und nicht des G-BA. Letztendlich geht es nur ums Geld. Am "Wettbewerb" im Gesundheitswesen ist der Patient sowieso außen vor. Diesen Begriff kann ich in diesem Zusammenhang nicht leiden, weil das in diesem Bereich gar nicht möglich ist. Bei den Pharmaunternehmen herrscht natürlicherweise ein Oligopol, da es sich kein Unternehmen leisten kann in allen Forschungsbereichen mitzumischen.

Ich frage mich allen Ernstes, wo der Sachverstand des IQWig und insbesondere des G-BA bleibt. Handelt es sich bei den Entscheidungen tatsächlich um Unwissenheit oder gar Absicht. Letzteres möchte ich allerdings nicht unterstellen, denn das würde schon an Menschenverachtung grenzen.

freundliche Grüß
Herz1952
Avatar #539999
klausenwächter
am Dienstag, 1. Mai 2012, 07:56

Wer soll eine Innovation bezahlen?

Gesundheit ist keinen Euro wert. Das Packerl Zigaretten darf dagegen über 5,- € kosten.
LNS

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