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Medizin

Tumorsuppressor des Pankreaskarzinoms entdeckt

Montag, 30. April 2012

London – Die hohe Aggressivität des duktalen Pankreasadenokarzinoms (PDA) könnte, wenigstens teilweise, die Folge einer epigenetischen Abschaltung eines Tumorsuppressors sein, den ein internationales Forscherteam in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11114) beschreibt.

Das Team um David Tuveson von Cambridge Research Institute der britischen Krebsstiftung Cancer Research UK hatte in Zellkulturen mit sogenannten „Sleeping Beauty“-Transposonen ungezielt nach Genen gesucht, die die Aggressivität des Pankreaskarzinoms beeinflussen. Transposonen sind springende Gene, die sich nach dem Zufallsprinzip in die DNA integrieren, was beim Sleeping Beauty Transposon den Ausfall des Gens zur Folge hat, in das sich das Transposon eingenistet hat. In einem Versuch hat die „schlafende Schöne“ das Gen „USP9X“ erwischt, was dann gewissermaßen zum Erwachen von besonders bösartigen Tumorzellen führte.

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Weitere Untersuchungen zeigten, dass USP9X kein Zufallstreffer war. Etwa die Hälfte aller untersuchten PDA wiesen Mutationen in USP9X auf. Tuveson schätzt, dass der Ausfall von USP9X für 15 Prozent aller Pankreaskarzinome verantwortlich sein könnte. Eine deutsche Arbeitsgruppe um Christian Pilarsky von der Technischen Universität Dresden konnte weiter zeigen, dass bei menschlichen PDA-Patienten die verringerte Produktion von USP9X mit schlechten Überlebensraten nach einer Operation und einem erhöhten Risiko auf die Bildung von Metastasen einhergeht.

Die Forscher fanden weiter heraus, dass PDA bei den Patienten nicht mutiert ist. Es liegt vielmehr eine epigenetische Abschaltung des Gens vor. Die Forscher knüpfen daran die therapeutische Idee, USP9X wieder zu aktivieren und damit die Malignität des Tumors zu senken. Dies ist im Prinzip durch sogenannte DNA-Methylase-Inhibitoren oder HDAC-Inhibitoren möglich, die beide in die Epigenetik eingreifen.

In Zellversuchen konnte die Ablesung von USP9X tatsächlich mit derartigen Wirkstoffen gesteigert werden. Ob dies allerdings irgendeinen Einfluss auf das Tumorwachstum hat, ist derzeit unbekannt. Eine konkrete Anwendung bei Patienten mit Pankreaskarzinomen ist nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

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