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Medizin

Antibiotikum wirksam gegen Pest

Mittwoch, 2. Mai 2012

Bethesda – Die US-Arzneibehörde FDA hat das Antibiotikum Levofloxacin zur Behandlung der Pest zugelassen. Grundlage waren tierexperimentelle Studien, in denen das Fluorochinolon Affen vor einem sicheren Tod rettete.

Die Indikation ist ungewöhnlich. Die Pest ist in den Industrieländern so gut wie ausgestorben. In den USA gibt es nur vereinzelte Erkrankungen in abgelegenen ländlichen Regionen. Eine Pestepidemie, wie zuletzt 1924-25 in Los Angeles, befürchtet heute niemand. Auch in Entwicklungsländern ist die Erkrankung selten geworden.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr zwischen 1.000 und 2.000 Menschen an einer Pest sterben. Für einen Arzneimittelhersteller ist dies eigentlich kein Grund, sich um eine neue Indikation für ein Medikament zu bemühen, das schon lange auf dem Markt ist. In den USA wurde Levofloxacin 1996 eingeführt (in Deutschland zwei Jahre später).

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Doch der Generikahersteller Raritan Pharmaceuticals, eine Johnson & Johnson-Tochter mit Sitz in East Brunswick im US-Staat New Jersey, hat eine Geschäftsidee. Yersinia pestis mag zwar selten geworden sein, das Bakterium ist jedoch nicht ungefährlich. Eine Infektion führt unbehandelt fast immer zum Tod. Der Erreger kann in verschiedenen Tieren leicht vermehrt werden, und als Biokampfstoff könnte es zu einer Gefahr werden. Die WHO zählt Yersinia pestis sogar zum „dreckigen Dutzend“ potenzieller biologischer Waffen.

Vielleicht sind ja einige Länder bereit sich mit Levaquin zu bevorraten. Die Zulassung als Pest-Antibiotikum hat Raritan relativ leicht erhalten. Da die Erkrankung so selten ist, verzichtete die FDA auf aufwändige klinische Tests. Die Behörde akzeptierte die Ergebnisse einer einzelnen tierexperimentellen Studie, in denen grüne Meerkatzen mit dem Pesterreger infiziert wurden. Sechs Stunden nach dem Einsetzen des Fiebers wurden 17 Meerkatzen mit Levofloxacin behandelt. Bis auf eine überlebten alle (94 Prozent). In der Vergleichsgruppe wurden die Tiere nicht behandelt. Alle verendeten an der Pest.

Die Aussicht auf eine Heilung bei einem bioterroristischen Angriffe stellen nach Einschätzung der FDA die geringen Risiken des in der Regel gut verträglichen Chinolons in den Schatten. Der Hersteller darf jetzt die neue Indikation bei potenziellen Kunden bewerben. Er ist allerdings nicht allein. Die FDA betrachtet nämlich noch eine Reihe anderer Antibiotika bei der Pest als wirksam. Zugelassen sind Streptomycin, Doxycyclin und andere Tetrazykline. © rme/aerzteblatt.de

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