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Medizin

Stressinkontinenz: Urodynamische Diagnostik entbehrlich

Donnerstag, 3. Mai 2012

San Diego – Eine urodynamische Untersuchung gehört heute zum Standard vor einer Operation der Stressinkontinenz. In einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine 2012; doi: 10.1056/NEJMoa1113595) hatte das Ergebnisse der Untersuchung allerdings keinen Einfluss auf den Erfolg der Therapie, was ihren Sinn infrage stellt.

Die urodynamische Untersuchung erfordert die Einlage eines Blasenkatheters. Sie wird von den meisten Patientinnen als unangenehm empfunden. Für die Versicherung sind die Tests mit Kosten verbunden. Charles Nager von der Universität von Kalifornien in San Diego beziffert sie auf etwa 500 US-Dollar pro Patientin.

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Sowohl eine Cochrane-Analyse als auch das britische National Institute for Health and Clinical Excellence haben in der Vergangenheit den Sinn der Untersuchungen bezweifelt, da sich die Operationsindikation ohnehin nach den subjektiven Beschwerden der Patientinnen richtet. Es wurde eine randomisierte klinische Studie angeregt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

An der Value of Urodynamic Evaluation oder VALUE-Studie hatten an 11 US-Zentren 630 Frauen teilgenommen, die seit mindestens 3 Monaten unter einer unkomplizierten Stress-Inkontinenz litten und eine Operation wünschten. Bei der Stressinkontinenz kommt es durch Husten, Lachen, Niesen oder sportliche Übungen zu einem unwillkürlichen Harnabgang. Die Störung ist also nicht, wie der Name vermuten lässt, die Folge einer emotionalen Anspannung. Als Ursache wird vielmehr eine Schwäche des Halteapparats und der Muskulatur vermutet, zu der es beispielsweise nach Geburten kommen kann.

Chirurgen bieten mehrere Operationen an. Welches Verfahren gewählt wurde, blieb der Teilnehmern der VALUE-Studie überlassen. Die Patientinnen wurden einzig hinsichtlich der Frage randomisiert, ob eine urodynamische Untersuchung durchgeführt wird oder nicht. Primärer Endpunkt war der Behandlungserfolg nach 12 Monaten.

Er war definiert als erstens eine Reduktion um mindestens 70 Prozent im Urogenital Distress Inventory. Dieser Fragebogen erkundigt sich nach den Symptomen der Stressinkontinenz. Zweitens mussten die Frauen im „Patient Global Impression of Improvement“ die Situation als „viel besser“ oder „sehr viel besser“ eingestuft haben, den beiden besten Bewertungen auf einer 7-Punkte-Skala.

In diesem kombinierten Endpunkt gab es keinerlei Unterschiede: Mit urodynamischer Untersuchung war die Therapie bei 76,9 Prozent der Frauen erfolgreich. Ohne urodynamischer Untersuchung war dies bei 77,2 Prozent der Fall. Der Unterschied von −0,3 Prozentpunkten war nicht signifikant und er wäre wohl auch nicht klinisch relevant gewesen.

Wie Nager und das Urinary Incontinence Treatment Network berichten, hatte die Tatsache, ob eine urodynamische Untersuchung durchgeführt wurde oder nicht, auch keinen Einfluss auf die Wahl der Operation. © rme/aerzteblatt.de

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