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Politik

Medizinethiker übt Kritik an PID-Ethik­kommissionen

Freitag, 4. Mai 2012

Freiburg – Der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio hat die geplanten Ethikkommissionen zur Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) kritisiert. Grundsätzlich könne eine Ethikkommission nicht über das Lebensrecht von Embryonen entscheiden, sagte Maio am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg. „Denn entweder, es ist gegeben oder nicht“. Die PID-Ethikkommission sei damit „eigentlich schon in einer Schieflage“.

Er selbst stehe als entschiedener Kritiker der PID für ein solches Gremium nicht zur Verfügung, sagte Maio. „Ich will nicht an der Selektion menschlichen Lebens mitwirken. Das ist eine Komplizenschaft, die man eigentlich nicht verantworten kann“, so der Wissenschaftler.

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Das Gesetz zur PID ist seit einem halben Jahr in Kraft. Zur Anwendung der Diagnostik ist aber noch eine Rechtsverordnung nötig, die Details regelt. Sie steht weiterhin aus. Dazu gehört auch die Einrichtung einer Ethikkommission, die im Einzelfall über die Zulassung der Diagnose befinden soll. Nach Angaben des federführenden Ge­sund­heits­mi­nis­teriums soll die Verordnung noch vor der Sommerpause dem Bundeskabinett vorliegen.

Die PID ist in Deutschland seit vergangenem Jahr in engen Grenzen erlaubt, sofern eine schwere erbliche Vorbelastung der Eltern vorliegt, sowie bei „einer schwerwiegenden Schädigung“ der Embryonen, „die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen wird“.

Nach Maios Einschätzung wird der PID-Ethikkommission kaum Entscheidungsspielraum bleiben. Die Experten „werden ihre Entscheidung immer abhängig machen von der Belastung für die Paare oder von deren Lebensverhältnissen“, sagte er. „Wenn das Paar sagt, das ist für uns unerträglich, wird die Kommission dem kaum widersprechen können“. Das Gremium werde damit letztlich eine „Absegnungsinstanz“.

Maio verwies auch auf die Gefahr von Wertungsunterschieden im Falle von mehreren Kommissionen. Unterschiedliche Standards seien dann „unvermeidlich“. Bei einer heterogenen Lage „werden alle zu den liberalsten Lösungen gehen“, so der Ethiker. © kna/aerzteblatt.de

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