NewsÄrzteschaftArztbewertung: Internetportal muss Kritik löschen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Arztbewertung: Internetportal muss Kritik löschen

Dienstag, 8. Mai 2012

dapd

Nürnberg/Dreieich  – Ein Online-Bewertungsportal für Ärzte darf eine anonyme negative Bewertung über eine Zahnarztpraxis aus dem Raum Nürnberg nicht weiter veröffent­lichen. Einen entsprechenden Antrag auf einstweilige Verfügung bewilligte das Land­gericht Nürnberg am Dienstag. Mit der Entscheidung konkretisierte das Gericht zugleich die Prüfpflichten für Bewertungs-Seiten im Internet.

Auf dem Portal sanego.de, das nach Betreiberangaben rund 150.000 Arztbewertungen auflistet, hatte ein Nutzer den Ablauf seiner Implantatbehandlung anonym eingetragen. Der Zahnarzt habe „nur auf Quantität statt Qualität“ geachtet, war in dem Kommentar zu lesen – und weiter: Der Arzt habe schlechte Kronen verwendet, die nicht zu der Farbe der Zähne passten. Nach der Behandlung will der unbekannte Autor starkes Zahnfleischbluten bekommen haben.

Anzeige

Mit dieser negativen Bewertung war der Zahnarzt nicht einverstanden. Denn nach Durchsicht aller Patientenunterlagen habe er keine der Bewertung zugrunde liegende Implantatbehandlung finden können. Das Bewertungs-Portal weigerte sich jedoch, den Kommentar zu löschen. Der Arzt zog deshalb vor Gericht. Internetportal beruft sich auf Meinungsfreiheit.

Die Betreiberfirma mit Sitz in Dreieich hatte in der mündlichen Verhandlung im April ausgeführt, bei der beanstandeten Bewertung handle es sich um eine freie Meinungsäußerung. Die Identität des Autors wollte das Unternehmen mit dem Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht offen legen. Der Kunde habe aber auf Nachfrage die Darstellung der Behandlung bestätigt.

Dieses Vorgehen rügte das Landgericht Nürnberg in seinem Urteil vom Dienstag als „nicht sorgfältig genug“. Das Internetportal hätte sich „von seinem Kunden einen Nachweis dafür vorlegen lassen müssen, dass die Behandlung tatsächlich stattgefunden hat“, heißt es in der schriftlichen Urteilsbegründung.

Weil dies nicht geschehen sei und eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten des Zahnarztes vorliegen könnte, hafte der Internetprovider – ungeachtet der Frage, ob die Bewertung zutreffend ist – auf Unterlassung. Der Streit um die Bewertung des Zahnarztes dürfte damit allerdings nicht abgeschlossen sein. Die Betreiberfirma hatte bereits bei der mündlichen Verhandlung angedeutet, im Falle einer Niederlage ein Hauptverfahren anstreben zu wollen. (Landgericht Nürnberg-Fürth, Urteil vom 08.05.2012, Az. 11 O 2608/12). © dapd/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. September 2020
München – Das Arztbewertungsportal Jameda hat seine Richtlinien für das Verfassen von Patientenberichten geändert. Damit will das Unternehmen „ein deutliches Zeichen gegen Beleidigung, Hassrede,
Debattenkultur im Internet: Jameda verschärft seine Richtlinien
29. Juli 2020
Berlin – Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den niedergelassenen Ärzten bleibt hoch. Laut der heute veröffentlichten Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) betrachteten
KBV-Versichertenbefragung: Zufriedenheit der Patienten auf hohem Niveau
30. April 2020
Frankfurt am Main – Mediziner müssen einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt zufolge Nutzerbewertungen auf Arztbewertungsportalen grundsätzlich hinnehmen. Das gilt zumindest dann, wenn die
Arztbewertungsportale: Ärzte müssen Meinungsäußerungen akzeptieren
24. Januar 2020
München – Das Arzt-Bewertungsportal Jameda ist nicht verpflichtet, gelistete Arztprofile vollständig zu löschen. Das hat das Landgericht München I entschieden und damit die Klage einer Ärztin
Landgericht München bestätigt vollständige Arztlistung auf Jameda
6. Dezember 2019
München – Das Online-Bewertungsportal Jameda muss nach Urteilen des Landgerichts München I die Profile von Ärzten unter bestimmten Umständen löschen. Drei Mediziner hatten geklagt und verlangt, dass
Jameda muss Ärzte-Profile unter bestimmten Umständen löschen
17. Juli 2019
München – Der Medienkonzern Hubert Burda Media will seinem Unternehmen Jameda mit neuem Kapital zu weiterem Wachstum verhelfen. Das berichtet der Medienkonzern heute. Nach Angaben des Handelsblatts
Burda investiert massiv in Jameda
17. April 2019
München – Im Streit um gelöschte Bewertungen im Internetportal Jameda hat das Münchner Landgericht I die Klage eines Zahnarztes abgewiesen. Der Mediziner aus Kiel hatte Jameda verklagt, weil das
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER