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Medizin

Herzinfarkt: Straßenverkehr erhöht Sterberate

Dienstag, 8. Mai 2012

dpa

Boston – Die langfristige Überlebenschance nach einem Herzinfarkt nimmt mit zunehmender Wohnortnähe zu einer viel befahrenen Straße ab. Dies geht aus einer Kohortenstudie in Circulation (2012; 125: 2197-2203) hervor.

Die Determinants of Myocardial Infarction Onset Study (Onset Study) hat 3547 Patienten nach ihrem Herzinfarkt über zehn Jahre begleitet. In diesem Zeitraum starben 1.071 Teilnehmer, davon 672 an kardiovaskulären Erkrankungen. Wie Murray Mittleman vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston berichtet, war die Sterberate (sicherlich neben vielen anderen Faktoren) davon abhängig, wie nah die Patienten an einer Hauptverkehrsstraße wohnten.

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Bei einer Entfernung von unter 100 Metern war das Risiko um 27 Prozent erhöht. Bei 100 bis 199 Meter Distanz war das Risiko um 19 Prozent erhöht und bei 200 bis 999 Meter waren es noch 13 Prozent. Diese „dosisabhängige“ Wirkung spricht dafür, dass der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt, auch wenn sich dies in einer Kohortenstudie nicht abschließend beweisen lässt.

Als Pathomechanismus kommt für Mittleman neben den Autoabgasen auch die Lärmbelästigung in Frage. In einer früheren Auswertung hatte der Forscher zeigen können, dass auch psychische Erlebnisse, wie die Trauer um einen nahen Angehörigen das Risiko auf einen erneuten Infarkt steigern könne. Kürzlich hatte Mittleman zeigen können, dass Luftschadstoffe bereits unterhalb der geltenden US-Grenzwerte das Schlaganfallrisiko erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 9. Mai 2012, 10:08

"Coronary Road"

Die hier referierte Studie ist vergleichbar mit einer Publikation aus dem British Medical Journal vom 20.9.2011 (BMJ2011;343:d5531):

doi: 10.1136/bmj.d5531

Dort wollten Epidemiologen der "London School of Hygiene and Tropical Medicine" belegen, dass hochgradige Umweltbelastungen mit erhöhter myokardialer Morbidität korrelieren. Die spezifische Erhöhung des Myokardinfarktrisikos ist in vereinzelten Studien als Kurzzeit-Effekt wenige Stunden nach Atemluftbelastung nachgewiesen. Im BMJ wurde der Einfluss der als Feinstaub PM10 ('pollution model') bezeichneten Staubfraktion (50% der Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm) u n d Stickstoffdioxyd NO2 auf die Ereignisrate in 15 Regionen Groß-Britanniens bei STEMI-, Non-STEMI-Herzinfarkten und Troponin-positivem akutem Koronarsyndrom (ACS) in den Krankenhausberichten untersucht. Dabei waren Ozon- und Kohlenmonoxid- (CO) Luftbelastungen überraschender Weise eher kardioprotektiv wirksam bzw. Schwefeldioxid (SO2) ohne messbare Auswirkung.

Das Risiko eines Herzinfarktes war allerdings nur bis zu 6 Stunden nach Exposition mit höherer verkehrsbedingter Luftverschmutzung von PM10 und NO2 erhöht ("Myocardial infarction risk was transiently increased up to 6 hours after exposure to higher levels of the traffic associated pollutants PM10 and NO2"). Allerdings zeigte keine der luftverschmutzenden Substanzen einen Langzeiteffekt bis zu 72 Stunden d a n a c h mit weiterer Erhöhung des Myokardinfarktrisikos. Einschränkend diskutieren die BMJ-Autoren, dass der etablierte Effekt von Luftverschmutzung auf die allgemeine kardiorespiratorische Morbidität und Mortalität n i c h t speziell auf den Herzinfarkt übertragen werden könne. Es müsse auch a n d e r e Mechanismen geben.

Diese Erkenntnislücke schließt die hier beschriebene Circulation-Studie auch nicht, beschreibt aber zusätzlich die erhöhte Mortalität bei stattgehabtem Myokardinfarkt in Abhängigkeit von der Nähe des Wohnortes zu vielbefahrenen und auch lauten Hauptverkehrsstraßen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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