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Medizin

Infektionen global die häufigste Todesursache bei Kindern

Freitag, 11. Mai 2012

dpa

Baltimore – Die Kindersterblichkeit ist weltweit in der ersten Dekade nach dem Jahr 2000 um ein Viertel gesunken, doch noch immer sind vermeidbare Infektionserkrankungen die häufigste Todesursache in den ersten fünf Lebensjahren. Dies geht aus einer Studie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hervor, die jetzt im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60560-1) veröffentlicht wurde. Damit ist das Millennium-Entwicklungsziele Nummer vier (MDG4) nicht mehr zu erreichen.

Vertreter der UNO, der Weltbank, der OECD und mehrerer Nichtregierungs­organisa­tionen hatten im Jahr 2000 acht Millennium-Entwicklungsziele formuliert. Sie reichen von der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger (MDG1) bis zum Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung (MDG8). Im Gesundheitsbereich steht das MDG4 im Vordergrund. Es greift die ältere Forderung nach einer deutlichen Senkung der Kindersterblichkeit auf.

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Dass Kinder in den ersten Lebensjahren sterben, sollte eigentlich eine Ausnahme sein. Doch Unterernährung und eine fehlende medizinische Versorgung hat auch 2010 dazu geführt, dass weltweit 7,9 Millionen Kinder vor Erreichen des 5. Geburtstags sterben, wie die Gruppe um Robert Black von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore im Auftrag der WHO jetzt ermittelt hat.

Die Zahl ist eine grobe Schätzung, da nur 61 von 193 Staaten über verlässliche Sterberegister verfügen. Diese lieferten, weil sie vor allem in den entwickelten Ländern mit der niedrigsten Kindersterblichkeit etabliert sind, gerade einmal 2,7 Prozent aller Daten für die Analyse. Der Rest wurde durch mathematische Modelle errechnet, die sich nur den Experten erschließen. Der Editorialist Zulfiqar Bhutta von der Aga Khan Universität in Karachi/Pakistan äußerst deshalb Zweifel, welchen Nutzen derartige Berechnungen haben, vor allem für Länder wie dem seinen, in denen den staatlichen Behörden jeder Überblick beispielsweise über die Zahl der Todesfälle in den ausufernden urbanen Slums fehlt.

Bhutta ist allerdings auch der Ansicht, dass im letzten Jahrzehnt Erfolge erzielt wurden. Diese betreffen der Analyse Blacks zufolge die Zahl der Todesfälle an Tetanus, Masern und Aids und für Afrika auch der Malaria. In diesen Teilbereichen könnte das MDG4 erreicht werden. Für die Gesamtkindersterblichkeit sei dies nicht mehr realistisch, trotz eines Rückgangs zwischen 2000 und 2010 um 2 Millionen oder 26 Prozent auf 7,6 Million Todesfälle. MDG4 fordert einen Rückgang von 1990 bis 2015 um zwei Drittel.

Der Grund für das Scheitern dieses Ziels ist die nach wie vor sehr hohe Zahl von Infektionen, auf die 64 Prozent der Todesfälle in den ersten 5 Lebensjahren entfallen. Allein 1,4 Millionen Kinder starben 2010 an den Folgen einer Pneumonie. Die zweit­häufigste Todesursache waren Frühgeburten, deren Zahl derzeit stark ansteigt, so dass sie laut Black 2015 bereits die häufigste Todesursache sein könnten.

Hinzu kommen noch 0,72 Million Todesfälle durch Komplikationen unter der Geburt und 0,39 Million neonatale Infektionen mit Sepsis oder Meningitis. Bei älteren Kindern forderten Diarrhö (0,75 Million) und die Malaria (0,564 Million) die meisten Todesfälle.

Die Kindersterblichkeit ist regional sehr ungleich verteilt: Auf fünf Länder – Indien, Nigeria, die demokratische Republik Kongo, Pakistan und China entfallen die Hälfte der Todesfälle. Das gleiche gilt für die tödlichen Infektionserkrankungen. Laut Black sind deshalb vor allem in diesen Ländern verstärkte Anstrengungen notwendig, wenn das MDG4 – irgendwann – doch einmal erreicht werden soll. © rme/aerzteblatt.de

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