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Medizin

FDA-Gutachter befürworten HIV-Prophylaxe mit Truvada

Freitag, 11. Mai 2012

Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer HIV /dpa

Rockville – US-Mediziner sollen künftig das HIV-Medikament Truvada auch an gesunde Menschen verschreiben dürfen. Externe Gutachter haben der US-Arzneibehörde FDA empfohlen, die Indikation  auf die Präexpositionsprophylaxe auszuweiten.

Truvada enthält die beiden Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin. Das Medikament wurde in den USA 2004 (Deutschland 2005) zugelassen und ist dort das am häufigsten eingesetzte antiretrovirale Medikament. Ein Grund für die Beliebtheit von Truvada ist sicherlich, dass beide Wirkstoffe oral verfügbar sind und eine lange Wirkdauer haben, weshalb Truvada nur einmal täglich eingenommen werden muss. In der Therapie der HIV-Infektion, die in der Regel drei Wirkstoffe erfordert, wird Truvada mit einem weiteren Wirkstoff (in der Regel einem Proteaseinhibitor) kombiniert.

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Zur Prophylaxe ist die alleinige Einnahme von Truvada ausreichend. Zu diesem Ergebnis kamen einige, aber nicht alle Studien, die in den letzten beiden Jahren veröffentlicht wurden. Am besten war die Schutzwirkung in der Partners PrEP-Studie, wo Tenofovir/Emtricitabin das HIV-Infektionsrisiko unter serodiskordanten Paaren in Kenia und Uganda um 73 Prozent senkte.

In der TDF2-Studie verminderte die Pille das Infektionsrisiko von jungen Heterosexuellen in Botswana um 63 Prozent. In der iPrEx-Studie in Lateinamerika, Südafrika und Thailand wurde eine Reduktion um 44 Prozent erzielt, und in der CAPRISA 004-Studie traten unter der Prophylaxe zu 39 Prozent weniger Infektionen auf. Der Ausreißer in der Serie war die im letzten Jahr wegen Erfolglosigkeit frühzeitig abgebrochene FEM-PrEP-Studie, wo Truvada Frauen aus Kenia, Südafrika und Tansania mit einem hohen Infektionsrisiko nicht besser als Placebo vor einer Ansteckung schützte. Als Grund wird die unzuverlässige Einnahme des Medikaments diskutiert.

Für die externen Gutachter stand am Ende der Tagung, zu der die FDA eingeladen hatte, die Effektivität von Truvada außer Zweifel: 19 gegen 3 Gutachter stimmten für eine Zulassung zur Präexpositionsprophylaxe bei Männern, die Sex mit Männern haben; 19 gegen 2 Stimmen (1 Enthaltung) waren für die Zulassung bei Menschen, die mit einem HIV-Positiven verkehren (serodiskordante Paare), und 12 gegen 8 Stimmen (bei 2 Enthaltungen) waren für die Zulassung bei Menschen mit einem erhöhten Risiko durch sexuelle Aktivitäten (Prostituierte). Die FDA ist nicht an das Votum gebunden, richtet sich aber in der Regel danach. Die Indikationserweiterung hätte zur Folge, dass der Hersteller in Zukunft offen für den Einsatz zur Präexpositionsprophylaxe werben dürfte, die heute natürlich schon Off-label möglich ist.

Für die Indikationserweiterung spricht aus Sicht der Experten, dass die bisherigen Safer-Sex-Empfehlungen in den letzten Jahren nicht zu einem Rückgang der Neuinfektionen geführt haben. In den USA stecken sich jedes Jahr etwa 50.000 Menschen mit HIV an. Es gibt aber auch Bedenken gegen die Indikationserweiterung. Sie betreffen die geringe Adhärenz zur täglichen Einnahme, die auch in den Studien erkennbar war.

Es wird befürchtet, dass einige  Risikopersonen die Tabletten nicht regelmäßig einnehmen, sondern nur nach Bedarf (nach ungeschütztem Verkehr mit einer Person, deren HIV-Status sie nicht kennen), was nach einhelliger Meinung der Experten nicht sicher vor einer Infektion schützt. Und wenn Truvada das Kondom ersetzt, könnte das Infektionsrisiko sogar steigen.

Die inkonsequente Einnahme könnten auch die Entstehung und Verbreitung von resistenten Viren fördern. Weiter Bedenken betreffen mögliche Störungen der Nierenfunktion sowie die möglich Exazerbation einer Hepatitis B nach dem Absetzen des Medikaments, das auch die Replikation von Hepatitis B-Viren unterdrückt.

Die FDA wird diese Risiken vermutlich zum Gegenstand einer „Risk Evaluation and Mitigation Strategy“ (REMS) machen, falls es, wie zu erwarten ist, im Juni zur Zulassung kommt. REMS wird die Ärzte verpflichten die Patienten penibel über die Risiken des Medikamentes aufzuklären und sie zur Fortsetzung anderer Maßnahmen zur Minderung des Infektionsrisikos zu ermahnen. © rme/aerzteblatt.de

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