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Medizin

Virtuelle Koloskopie erkennt große Adenome auch ohne Darmreinigung

Dienstag, 15. Mai 2012

Boston – Eine „virtuelle“ Koloskopie mittels Computertomographie (CT) kann größere Adenome auch dann aufspüren, wenn auf eine konventionelle Darmreinigung zugunsten einer Kontrastmitteldarstellung verzichtet wird. Dies geht aus einem prospektiven Vergleich mit einer optischen Darmspiegelung hervor, der jetzt in den Annals of Internal Medicine (2012; 156: 692-702) veröffentlicht wurde.

Die Darmvorbereitung ist für viele Menschen der unangenehmste Teil einer Darmspiegelung. Dies liegt vor allem am Geschmack des Abführmittels, von dem die Teilnehmer vor der Darmspiegelung größere Mengen trinken müssen. Die folgende komplette Darmentleerung wird ebenfalls als störend empfunden. Auch die vermeintlich „berührungsfreie“ CT-Koloskopie, bei der den Teilnehmern die Einführung des Koloskops durch den After erspart bleibt, kommt derzeit nicht ohne eine Darmvorbereitung aus.

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Dies könnte sich in Zukunft ändern. Forscher des Massachusetts General Hospital (MGM) haben eine Software entwickelt, die Kotreste im Darm von Polypen unterscheiden kann. Die Patienten müssen vor der Untersuchung nur über mehrere Tage eine faserarme Diät einhalten und am Tag vor der Untersuchung eine kleinere Menge eines Kontrastmittels trinken. Es soll die Kotreste während der virtuellen Koloskopie markieren. Die Software „beseitigt“ dann den Kot und bietet den Ärzten einen ungestörten Blick auf die Schleimhaut.

Die neue Variante der CT-Koloskopie wurde an mehreren Kliniken in Boston und San Francisco an 605 Erwachsenen im Alter von 50 bis 85 Jahren erprobt. Alle Probanden hatten ein mittleres Darmkrebsrisiko. Sie wurden zunächst per CT-Koloskopie untersucht. Die Ergebnisse wurden den Ärzten jedoch erst Wochen später mitgeteilt, als sich die Patienten auch einer optischen Koloskopie  unterzogen hatten.

Wie Michael Zalis, der Leiter der Imaging-Abteilung am MGH, mitteilt, war die CT-Koloskopie der optischen Untersuchung bei großen Adenomen annähernd gleichwertig. Bei Adenomen einer Größe von mehr als 10 Millimeter betrug die Sensitivität der CT-Koloskopie 91 Prozent (optische Untersuchung 95 Prozent). Die Spezifität konnte sich mit 85 Prozent (optische Untersuchung 89 Prozent) ebenfalls sehen lassen. Von den 605 Patienten hatten drei bereits ein Kolorektalkarzinom. Es wurde in allen Fällen bereits durch die „virtuelle“ CT-Koloskopie entdeckt.

Bei kleineren Adenomem wird die CT-Koloskopie ungenau: Bei Adenomen ab 8 Millimeter Größe betrug die Sensitivität nur 70 Prozent (optische Untersuchung 88 Prozent), bei einer Größe ab 6 Millimeter betrug die Sensitivität nur noch 59 Prozent (optische Untersuchung 76 Prozent). Die CT-Koloskopie würde demnach kleinere Adenome übersehen.

Da sich die meisten Karzinome jedoch aus größeren Adenomen entwickeln, könnte die CT-Koloskopie ohne konventionelle Darmreinigung nach Ansicht von Zalis für jene Patienten eine Option sein, die die Untersuchung ansonsten verweigern würden (Im Fall eines Befundes kämen sie allerdings um eine optische Koloskopie zur Entfernung der Adenome nicht herum).

Ein Nachteil der virtuellen CT-Koloskopie bleibt die Strahlenbelastung, die durchaus mit einem (wenn auch geringen) realen Krebsrisiko verbunden ist. Das Risiko steigt mit jeder erneuten CT-Koloskopie, die wegen der geringeren Nachweisrate der kleinen Adenome vermutlich in kürzeren Intervallen wiederholt werden müsste, als dies bei der optischen Koloskopie der Fall ist. © rme/aerzteblatt.de

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