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Medizin

Tetraplegiker kann dank Nerven-Operation wieder greifen

Dienstag, 15. Mai 2012

St. Louis – Dank einer neuen Nervenverbindung im Oberarm kann ein Quadriplegiker aus den USA wieder Gegenstände mit seinen Händen greifen. Die Operation liegt bereits zwei Jahre zurück. Dem Bericht im Journal of Neurosurgery zufolge (2012; doi: 10.3171/2012.3.JNS12328) musste der Patient die neuen Bewegungen mühsam erlernen.

Der 71 Jahre alte Mann hatte bei einem Verkehrsunfall eine Rückenmarksverletzung auf Höhe des untersten Halswirbels (C7) erlitten. Die in C5 und C6 abgehenden Nerven waren intakt und der Patient verfügt über eine Beweglichkeit in Schulter, Ellbogen und teilweise auch des Handgelenks. Er konnte jedoch keine Gegenstände greifen. Damit waren die Hände für ihn weitgehend funktionslos.

In zwei Operationen sorgte das Team um Ida Fox von der Abteilung für plastische und rekonstruktive Chirurgie der Washington Universität in St. Louis für Abhilfe. Sie operierten zunächst die linke und eine Woche später die rechte Seite.

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Dabei verbanden die Chirurgen im Oberarm jeweils den proximalen Anteil des Nervus brachialis mit dem distalen Nervus interosseus anterior. Der Nervus brachialis versorgt den gleichnamigen Muskel. Da er oberhalb der Querschnittslähmung seine Wurzeln hat, konnte der Patient ihn vor der Operation bewegen.

Der Nervus interosseus anterior hatte dagegen keine Verbindung zu den Schaltstellen des Gehirns. Der Patient konnte deshalb einige Muskeln im Unterarm (Musculus flexor pollicis longus, Musculus pronator quadratus und Teile des Musculus flexor digitorum profundus) nicht bewegen, die für das Greifen von Gegenständen benötigt werden. Dies änderte sich nach der Operation, da der Nervus interosseus anterior jetzt über den Nervus brachialis mit dem Gehirn verbunden war. Wenn der Patient jetzt versuchte den Ellbogen anzuspannen, kam es in der Hand zu einer Greifbewegung.

In den Folgemonaten lernte der Mann, die neuen Nervenverbindungen für Tätigkeiten des alltäglichen Lebens zu nutzen. Er ist heute (begrenzt) in der Lage, Nahrungsmittel zu greifen und sie zum Mund zu führen. Mit der linken Hand kann er auch „rudimentäre“ Schreibbewegungen durchführen. Um dies zu lernen, benötigte der Patient 15 Monate, was Fox aber auch auf das Alter und die Gelenkprobleme des Patienten zurückführt. Ähnliche Operationen hat das Team zuvor bereits bei Patienten mit einer traumatischen Zerstörung der peripheren Nerven durchgeführt.

© rme/aerzteblatt.de

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