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Medizin

Kaffeetrinker leben (nur rechnerisch) länger

Freitag, 18. Mai 2012

dapd

Rockville – Kaffeetrinker leben ungesünder als andere Menschen. Nach einer Studie im New England Journal of Medicine (2012; 366: 1891-1904) ist aber nicht der Kaffeekonsum für die erhöhte Sterberate verantwortlich. Der häufige Konsum des koffeinhaltigen Getränks könnte sogar schlimmeres verhindern.

Für viele Menschen gehört zu einer kräftigen Tasse Kaffee noch immer eine gute Zigarette. Kaffeetrinker konsumieren auch häufiger Alkohol als andere Menschen, und in der Kantine findet man sie seltener in der Warteschlange für die gesündere vegetarische Kost. Kaffeetrinker benötigen auch keinen Sport, um wach zu werden. Diese Beschreibung ist sicherlich übertrieben, aber sie deckt sich mit den Befragungen von 229.119 Männern und 173.141 Frauen, die an einer gemeinsamen Studie der National Institutes of Health mit der American Association of Retired Persons teilnahmen. Zu Beginn der Studie 1995/96 waren die im Mittel 61 Jahre alten Pensionäre auch nach ihrem Kaffeekonsum befragt worden.

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Bis Ende 2008 waren 52.000 Teilnehmer gestorben. Neal Freedman vom US-National Cancer Institute hat den Kaffeekonsum mit der Sterberate in Beziehung gesetzt. Die Ergebnisse waren für die Männer und Frauen eindeutig: Starke Kaffeetrinker hatten eine zu 21 Prozent (bei 4 bis 5 Becher/Tag) oder 60 Prozent (bei 6 oder mehr Becher/Tag) höhere Sterberate. Bei den Kaffeetrinkerinnen stieg das Risiko um 13 und 51 Prozent.

Starke KaffeetrinkerInnen starben mehr als doppelt so häufig wie Nichtkonsumenten an Krebs (Hazard Ratio 2,13 für Männer und 2,00 für Frauen) oder Atemwegserkrankungen (HR 2,63 und 2,35). Auch ihr kardiales Sterberisiko war erhöht (HR 1,44 und 1,16).

Doch die weitere Analyse, die oben genannte ungesunde Lebensweisen mit Tabak, Alkohol, rotem Fleisch und Bewegungsmangel berücksichtigte, drehte die Ergebnisse komplett um: Für Männer ergibt sich allein durch den Kaffee eine Reduktion der Sterberate, die mit der Zahl der Becher pro Tag von 6 Prozent (1 Becher) auf bis zu 10 Prozent (6 Becher oder mehr) zunimmt. Bei Frauen waren es sogar 5 Prozent (1 Becher) bis 15 Prozent (6 Becher oder mehr) – wenn der Kaffeekonsum von ungesunden Verhaltensweisen getrennt wird.

Auch ein Tod an Herzerkrankungen, Atemwegserkrankungen oder Schlaganfall war bei starken Kaffeetrinkern beider Geschlechter seltener. Bei den Männern sinkt sogar das Sterberisiko durch Verletzungen/Unfälle oder Infektionen, wobei der Pathomechanismus hier noch zweifelhafter sein dürfte als bei den anderen Todesursachen.

Eindeutig war indes – bei beiden Geschlechtern – die präventive Wirkung vor einem Diabetestod. Er wurde bei den starken Kaffeetrinkern zu 40 Prozent und bei den starken Kafeetrinkerinnen zu 43 Prozent seltener festgestellt (in der multivariaten Analyse versteht sich, die andere Risikofaktoren ausschloss). Die Ergebnisse bestätigten hier eine frühere Meta-Analyse (Archives of Internal Medicine 2009; 169: 2053-2063), die eine dosisabhängige protektive Wirkung auf Neuerkrankungen am Typ-2-Diabetes mellitus gefunden hatte.

Beim Typ-2-Diabetes mellitus scheint eine protektive Wirkung von einem oder mehreren der etwa 1.000 verschiedenen Inhaltsstoffe des Kaffees auf den Blutzuckerstoffwechsel am ehesten vorstellbar. Einen Beweis für eine protektive Wirkung liefert die Studie indes auch hier nicht, wie Freedman betont. Immerhin können Kaffeetrinker beruhigt sein, dass auch ein häufiger Kaffeekonsum wohl nicht mit einem gesundheitlichen Risiko einhergeht. Für andere Verhaltensweisen, die bei Kaffeetrinkern assoziiert sind, trifft das allerdings nicht zu. © rme/aerzteblatt.de

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