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Medizin

Gewalt beeinflusst Sexualverhalten der Opfer

Montag, 21. Mai 2012

Providence – Wenn Frauen in der Vergangenheit Erfahrungen mit Gewalt machen mussten, so neigen sie später häufiger zu gesundheitsgefährdendem Geschlechts­verkehr. Diese Erfahrungen stellen somit einen indirekten Risikofaktor für sexuell übertragene Krankheiten dar. Das fanden Forscher des Miriam Hospital Centers for Behavioral an Preventive Medicine in Rhode Island heraus und publizierten ihre Ergebnisse im Fachjournal Psychology of Violence (doi: 10.1037/a0027716). 

Die Erst-Autorin der Studie, Jennifer Walsh, hat dazu gemeinsam mit ihren Kollegen die Fälle von insgesamt 481 wegen sexuell übertragbarer Krankheiten in eine Spezialklinik eingewiesenen Frauen analysiert. Die Patientinnen waren überwiegend afro-amerikanischer Herkunft, lebten meist in Stadtgebieten und lebten auf einem insgesamt niedrigen sozio-ökonomischen Status. Die Wissenschaftler befragten ihre Probandinnen nach jeglicher Form von Gewalt, die sie in der Vergangenheit sowohl innerhalb der Familie als auch in ihrer sonstigen Umgebung erfahren hatten.

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Mittels eines „latente Klassenanalyse“ genannten Verfahrens gelang es ihnen, aus der Menge der befragten Frauen je nach Gewalterfahrungen vier Untergruppen zu identifizieren. Mit mehr als einem Drittel litten 39 Prozent der Patientinnen unter leichter Gewalt jedweder Art, 20 Prozent unter gesellschaftlicher Gewalt, knapp 23 Prozent unter zurückliegender Kindesmisshandlung und 18 Prozent unter multiplen Formen der Gewalt, darunter vor allem auch sexuellem Missbrauch.

Am Ende stellte sich heraus, dass die Frauen aus den letzten beiden Gruppen signifikant häufiger ein gesundheitsgefährdendes Sexualverhalten vorwiesen. Als Indikatoren für solch ein Verhalten wählten die Autoren neben dem ungeschützten Geschlechtsverkehr besonders auch häufig wechselnde Sexualpartner sowie Alkohol- und Drogenkonsum vor dem Geschlechtsakt aus.

Walsh sieht aufgrund ihrer Ergebnisse Präventionsbedarf in mindestens zwei Bereichen: Psychotherapeuten, die Frauen mit Gewalterfahrung betreuen, sollten ihre Patientinnen gezielter auf ihr zukünftiges Risikoverhalten beim Geschlechtsverkehr schulen. Andererseits seien diese Erkenntnisse eine gute Grundlage für Ärzte in der Infektiologie oder Gynäkologie, die sexuell übertragene Krankheiten behandeln und ein umfangreicheres Verständnis für das psychosoziale Umfeld ihrer Patienten erlangen wollen.

Zusätzlich sei diese Studie auch ein Spiegel der Gesellschaft, ergänzen die Autoren. Denn ihre Untersuchungen zeigten, wie neben den persönlichen Gewalterfahrungen auch soziale und gemeinschaftliche Faktoren zu einem riskanteren Sexualverhalten führten. So müssten Präventionsmaßnahmen, wie beispielsweise gegen AIDS oder Hepatitis, auch gewaltbezogene Faktoren in der Gesellschaft und im sozialen Umfeld der Adressaten berücksichtigen. © hil/aerzteblatt.de

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