NewsMedizinDiabetes bei Asiaten erfordert besonderes Augenmerk
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diabetes bei Asiaten erfordert besonderes Augenmerk

Montag, 21. Mai 2012

Boston – Für die Diagnostik und die Prognose eines Diabetes mellitus bei asiatisch-stämmigen Personen gibt es im Vergleich zu anderen Patientengruppen deutliche Unterschiede, so zum Beispiel bei der Bedeutung des Body-Mass-Index oder dem Risiko für Nierenschäden.

Auf diese und andere pathophysiologische Differenzen weist eine neue Studie des Joslin Diabetes Centers in Boston hin. George King, Leiter des Institutes und Professor an der Harvard Medical School, veröffentlichte jetzt die Ergebnisse einer Kollaboration mit neun anderen Spezialisten im Journal Diabetes Care (doi: 10.2337/dc12-0210). Im selben Journal ergänzt der Wissenschaftler William Hsu mit zwölf anderen eine weitere Studie zum Thema (doi:10.2337/dc12-0212).

Anzeige

Trotz ihres durchschnittlich niedrigeren Körpergewichtes erkranken immer mehr Menschen in Asien oder asiatischen Ursprungs an einem Diabetes mellitus Typ 2. Das betrifft auch asiatisch-stämmige Menschen in den USA, von denen etwa zehn Prozent an dieser Diabetes-Form leiden.

Im Vergleich dazu liegt das durchschnittliche Risiko in der Allgemeinbevölkerung bei sechs Prozent. Den Wissenschaftlern zufolge hat das vor allem genetische aber auch umweltbedingte Gründe. Sie wollten sich in ihren Studien allerdings auf die klinische Relevanz dieser Unterschiede konzentrieren und herausarbeiten, welche Aspekte dabei zu beachten sind.

Bei ihrer Arbeit fassten sie die Ergebnisse mehrerer, wissenschaftlicher Studien sowie eines internationalen Kongresses zu diesem Thema in Honolulu von September 2011 zusammen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass der hierzulande übliche Screening-Marker zur Abschätzung einer Adipositas und damit eines Risikofaktors für den Diabetes, nämlich der Body-Mass-Index (BMI), bei Asiaten keine Aussagen über ihr Erkrankungsrisiko zulässt.

So liege der durchschnittliche BMI bei an Diabetes-Typ-2 erkrankten Asiaten zwischen 24 und 25, also normwertig. Dagegen müssten Ärzte bei ihren eher schlank anmutenden, asiatischen Patienten mehr auf den Bauchumfang achten. Mit der Bedeutung des oralen Glukosetoleranztestes betonen die Forscher einen weiteren wichtigen Aspekt in der Diagnostik. Dieser sei nämlich bei asiatisch-stämmigen Patienten sensitiver und zuverlässiger als die häufig verwendete Methode der Nüchternglukose im Plasma.

Auch hinsichtlich der Prognose erörtern die Wissenschaftler einige Unterschiede. Zwar leiden Asiaten mit Diabetes mellitus weniger an kardiovaskulären Folgeerkrankungen, jedoch liegt die Rate an diabetogenen Nephropathien im Endstadium deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Dies erfordere eine Anpassung der Diabetes-Leitlinien an die individuellen Gegebenheiten bei Asiaten, fordert King. Schließlich resümiert er, dass Ärzte sich in Zukunft stärker den ethnischen Unterschieden ihrer Patienten zuwenden müssten. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER