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Medizin

Idiopathische Lungenfibrose: Standardtherapie erhöhte Sterberate

Montag, 21. Mai 2012

Ann Arbor – Im Oktober letzten Jahres musste das National Heart, Lung, and Blood Institute eine Studie abbrechen, weil eine für selbstverständlich gehaltene Therapie der idiopathischen Lungenfibrose die Sterberate der Patienten deutlich erhöht hatte. Anlässlich der Jahrestagung der American Thoracic Society in San Francisco wurden jetzt die Ergebnisse im New England Journal of Medicine (2012; doi: 10.1056/NEJMoa1113354) publiziert.

Der Therapiestandard bei der idiopathischen Lungenfibrose war lange Zeit die Gabe von Glukokortikoiden oder die Gabe von Immunsuppressiva. Die Monotherapie gilt als wirksam und sicher. Viele Pulmologen schlossen daraus, dass die Kombination zweier guter Medikamente ein noch besseres Ergebnis erzielen werde. Bei einer 2008 veröffentlichten Therapie sagte die Hälfte der Therapeuten, dass sie ihre Patienten mit Prednison plus Azathioprin oder sogar mit einer Dreierkombination aus Prednison, Azathioprin und N-Acetylcystein (NAC) behandele.

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Für Patienten mit leichter bis mäßiger Einschränkung der Lungenfunktion (FVC 3 ≥ 50% und Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid ≥ 30%) hat sich diese Dreierkombination jedoch als zu riskante Übertherapie erwiesen, wie das Idiopathic Pulmonary Fibrosis Clinical Research Network am 14. Oktober 2011 feststellen musste. Damals führte das Team um Fernando Martinez von der Universität von Michigan in Ann Arbor eine Zwischenauswertung der PANTHER-IPF-Studie durch.

Das Akronym „Prednisone, Azathioprine, and N-acetylcysteine: A Study that Evaluates Response in Idiopathic Pulmonary Fibrosis“ beschreibt das Ziel der Studie, an der ursprünglich 390 Patienten teilnehmen sollten. Doch nach Einschluss von 238 Patienten war klar, dass die Dreierkombination das Sterberisiko der Patienten deutlich erhöhte. Unter der Kombinationstherapie waren 23 von 77 Patienten hospitalisiert worden, 8 waren gestorben.

Im Placebo-Arm der Studie kam es nur zu 7 Hospitalisierungen und 1 Todesfall. Auch ohne statistische Auswertung wurde auf den ersten Blick klar, dass eine von vielen Pulmologen bevorzugte Therapie falsch war. Da die Studie zudem keine Vorteile der Therapie bei den Überlebenden zeigte, ist das Fazit eindeutig. Patienten, die die Einschlusskriterien der Studie erfüllen, sollen nicht mit einer Kombinationstherapie behandelt werden. Die Studie zeige, wie wichtig es in der Medizin ist, auch selbstverständlich gehaltene Therapien einer klinischen Prüfung zu unterziehen, sagt Martinez jetzt.

Der dritte Arm der Studie, in dem die Patienten eine Monotherapie mit NAC erhalten, wird fortgesetzt. Hier ist es offenbar nicht zu sicherheitsrelevanten Ergebnissen gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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