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Medizin

Malaria: Gefälschte Medikamente fördern Resistenzen

Dienstag, 22. Mai 2012

Bethesda – Gefälscht, verdorben oder schlecht produziert. Ein Drittel aller Malaria­medikamente in Südostasien und Sub-Sahara-Afrika fällt laut einer Übersicht in Lancet Infectious Diseases (2012; 12: 488-96) bei pharmazeutischen Qualitätstests durch. Tropenmediziner bringen die Qualitätsmängel mit der derzeitigen Ausbreitung von resistenten Parasiten in Verbindung.

Erst vor wenigen Tagen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Ausbreitung einer Artemisinin-resistenten Falciparum-Malaria gewarnt. Das derzeit wirksamste Medikament drohe in Südost-Asien seine Wirksamkeit zu verlieren, befürchtet die WHO. Die resistenten Erreger, die zuerst 2006 in der Grenzregion von Kambodscha und Thailand nachgewiesen wurden, haben inzwischen Myanmar erreicht, wie Tropen­mediziner Anfang April im Lancet berichteten. Eine mögliche Ursache für die Ausbrei­tung, die die WHO trotz eines globalen Containment-Plans bisher nicht aufhalten konnte, sind Qualitätsprobleme bei den Malaria-Medikamenten in Südostasien.

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Prüfungen in den letzten Jahren haben laut Gaurvika Nayyar vom Fogarty International Center in Bethesda ergeben, dass ein Drittel der Proben die pharmazeutische Prüfung nicht bestand. Bei einigen handelte es sich um plumpe Fälschungen aus krimineller Absicht. Bei anderen war die Haltbarkeit abgelaufen oder sie waren falsch gelagert worden. Bei vielen Präparaten wurden auch Qualitätsmängel in der Produktion erkennbar: Die Pillen enthielten entweder zu viel oder zu wenig Wirkstoff.

Medikamente mit einer zu geringen Wirkstoffkonzentration gelten als Nährboden für die Entwicklung von Resistenzen. Hinzu kommt eine zu kurze Behandlungszeit, die in der Selbstmedikation häufig ist, weil die Mittel nach dem Rückgang des Fiebers zu früh abgesetzt werden. Beides fördert die Selektion von resistenten Parasiten.

Ob Qualitätsmängel und Fälschungen tatsächlich für die derzeitige Ausbreitung der resistenten Stämme verantwortlich sind, kann Nayyar durch seine Übersicht nicht belegen. Die Publikation zeigt aber, dass die resistenten Erreger auch in anderen Regionen, namentlich in Afrika südlich der Sahara, günstige Voraussetzungen vorfinden würden. Denn auch dort fiel ein Drittel der Malariamedikamente bei den Prüfungen durch.

Einen Grund für die Qualitätsmängel sieht Michael Seear vom British Columbia Children’s Hospital in Vancouver in der fehlenden Arzneimittelaufsicht in vielen Ländern. Er beklagt im Editorial die unzureichenden Kontrollen in China und Indien. In den beiden Ländern lebt nicht nur ein Drittel der Weltbevölkerung. In China und Indien werden auch viele Medikamente für de Weltmarkt produziert, und wie der Experte vermutet, gefälscht.

Fälschungen sind aber nicht das einzige Problem. Eine Pilotstudie, die erste ihrer Art in Indien, hatte vor einiger Zeit ergeben, dass viele in Apotheken erhältliche Medikamente zwar Qualitätsmängel aufwiesen. Echte Fälschungen (definiert als wirkstofffreie Präparate) waren jedoch selten (PLoS ONE 4(6): e6003). Produktionsmängel bei der legitimen Arzneimittelproduktion könnten das größere Problem sein. © rme/aerzteblatt.de

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