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Politik

Spielautomaten und Internet sorgen für Probleme

Dienstag, 22. Mai 2012

dpa

Berlin – Spielautomaten statt Rauchen: Während das gewerbliche Glücksspiel bei jungen Menschen dramatisch angestiegen ist, haben 2011 so wenige junge Menschen wie noch nie geraucht. Rund 25 Prozent aller 16- und 17-Jährigen nutzten in den vergangenen zwölf Monaten generell ein gewerblich angebotenes Glücksspiel, wie aus dem am Dienstag vorgestellten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervorgeht. Die Zahl der rauchenden Jugendlichen (12 bis 17 Jahre) sank hingegen auf unter 12 Prozent und erreicht damit einen neuen Tiefststand.

Insbesondere das Geldautomatenspiel erfreut sich nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans bei jungen Menschen besonderer Beliebtheit. Waren es 2009 noch 3,8 Prozent der 16 und 17 Jahre alten jungen Männer, die innerhalb eines Jahres einen Spielautomaten bedienten, stieg die Zahl 2011 auf 6,8 Prozent an.

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Auch in der Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen wurde eine deutliche Zunahme verbucht. Nutzten 2007 noch 5,8 Prozent dieser jungen Männer einen Spielautomaten, stieg die Zahl im Vorjahr auf 19,8 Prozent. Bei den Frauen verdoppelte sich die Anzahl der Spieler im gleichen Zeitraum auf 5,5 Prozent.

Zunehmend verbreitet ist auch die exzessive Internetnutzung bei jungen Menschen. So gelten dem Bericht zufolge 250.000 der 14- bis 24-Jährigen als internetabhängig. 1,4 Millionen Personen in der Altersgruppe sind sogenannte problematische Internetnutzer. Auch das Trinken von Alkohol ist bei jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin weitverbreitet. Der regelmäßige Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) ist unverändert hoch und lag 2001 wie 2011 bei knapp 40 Prozent.

„Zahl der Spielautomaten in Gaststätten drastisch reduzieren“
Um die Jugendlichen und Spieler besser zu schützen, soll noch vor der Sommerpause eine neue Spielverordnung durch das Bundeswirtschaftsministeriums erlassen werden, sagte Dyckmans. Darin würde eine bessere Überwachung, strengere Auflagen sowie höhere Geldbußen bei Verstößen festgeschrieben. Darüber hinaus will die Drogenbeauftragte mit der Einführung einer sogenannten Spielerkarte das Automatenspiel eindämmen. Damit soll verhindert werden, dass mehrere Automaten gleichzeitig genutzt werden können.

Zudem plädierte die FDP-Politikerin für den Rückbau der Automaten in Gaststätten. "Wenn es nach mir persönlich ginge, würden die Automaten aus den Gaststätten ganz raus kommen. Aber die Bundesregierung möchte sie reduzieren", sagte Dyckmans. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnte bislang eine vollständige Abschaffung von Spielautomaten aus Gaststätten ab.

Kritik an Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung
Es sei äußerst fraglich, ob die Drogenbeauftragte mit ihrem formulierten Ziel der völligen Verbannung von Spielautomaten aus den Gaststätten erfolgreich sein werde, sagte der drogenpolitische Sprecher der Links-Fraktion, Frank Tempel. Diese Forderung stehe im konkreten Widerspruch zur Politik des Wirtschaftsministeriums, betonte Tempel.

Auch die SPD kritisierte das Wirtschaftsministerium. "Weil die Bundesregierung die Automatenlobby nicht verärgern möchte, will sie eine Novelle der Spielverordnung durchsetzen, mit der die Suchtgefahr teilweise sogar noch verstärkt wird und die Branche auf weiterhin sprudelnde Kassen hoffen darf", sagte die Drogenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Angelika Graf. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #110406
WillBerlin
am Mittwoch, 23. Mai 2012, 02:36

rührend naiv

es ist rührend naiv (oder erschreckend?), wie Politiker glauben - oder zumindest so tun als würden sie glauben - die Folgen neoliberaler Politik und Gesellschaftsentwicklung in ihren Auswirkungen auf Familien und deren Kinder durch gesetzliche Maßnahmen mildern oder in den Griff bekommen zu können.
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