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Medizin

Keine übermäßigen Arztbesuche nach genetischen Tests

Mittwoch, 23. Mai 2012

dpa

Seattle/Detroit – Genetische Untersuchungen führen offenbar nicht dazu, dass sich Betroffene mit erhöhten Gesundheitsrisiken daraufhin häufiger untersuchen lassen. Das ergibt eine neue Studie von Wissenschaftlern unter der Leitung des National Institutes of Health, die im Fachjournal Genetics in Medicine (doi:10.1038/gim.2012.52) erscheint. Die Befürchtung, dass genetische Tests zur Risikobestimmung bestimmter Krankheiten die Betroffenen häufiger zum Arzt gehen lassen und damit das Gesundheitssystem belasten, hatte die Autoren dazu veranlasst, im Auftrag des NIH die Datenlage zu überprüfen.

Laut den Wissenschaftlern haben die Versicherten in den USA immer mehr Möglichkeiten, sich auf ihr Risiko, später an genetisch bedingten Krankheiten zu leiden, testen zu lassen. So würden auch immer mehr kommerzielle Anbieter genetische Untersuchungen bereitstellen. Für die Analysen verschiedenster Genvarianten, die mit bestimmten Krankheiten assoziiert sind, genügt den Genetikern eine einzige Blutprobe, sodass auch die Ausführung der Tests relativ leicht ist. Zu den Krankheiten, die mit den Untersuchungen im Zusammenhang stehen, gehören unter anderem die koronare Herzerkrankung oder Tumoren des Kolons, der Lunge und der Haut.

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Für ihre Untersuchung bedienten sich die Autoren der Multiplex Initiative Study, bei der sich knapp 1.600 Versicherte im Alter zwischen 25 und 40 Jahren einer genetischen Untersuchung unterzogen und anschließend verschiedene Fragen zu ihrem Gesundheitsverhalten beantworteten. Bei den Tests handelt es sich um 15 genetische Marker, die bei der Pathophysiologie von insgesamt acht Krankheiten eine Rolle spielen, namentlich Typ-2-Diabetes, koronare Herzerkrankung, Hypercholesterinämie, Hypertonus, Osteoporose, Lungenkarzinom, Kolonkarzinom und Melanom. Für ihre Analyse verglichen die Autoren, wie häufig die Probanden vor und nach den genetischen Untersuchungen ihren Arzt besuchten oder sich über die möglichen Krankheiten informierten und fanden dabei keine signifikanten Unterschiede.

Somit konnten die Wissenschaftler ihrer Auffassung nach zeigen, dass Untersuchungen auf eine genetische Prädisposition für bestimmte Krankheiten nicht dazu führen, dass die Versicherten die Gesundheitsfürsorge übermäßig in Anspruch nehmen. Sie betonen, dass es für die Manifestation dieser Erkrankungen nicht allein auf die genetischen Einflüsse ankommt. Neben dem persönlichen Gesundheitsverhalten seien oft auch mehrere Umweltfaktoren von Bedeutung. Darüber hinaus zeigten die genetischen Untersuchungen nicht immer zuverlässig, wie hoch das tatsächliche Erkrankungsrisiko später sein könne. Oft führten auch nur geringfügige Genveränderungen zu einem positiven Testergebnis. © hil/aerzteblatt.de

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