NewsMedizinAids-Medikament kann Autoimmunreaktion auslösen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Aids-Medikament kann Autoimmunreaktion auslösen

Mittwoch, 23. Mai 2012

Bethesda – Wissenschaftler der US-Arzneibehörde FDA haben den Pathomechanismus der Überempfindlichkeitsreaktionen aufgeklärt, zu denen es unter der Therapie mit Abacavir vor allem bei Menschen mit bestimmten HLA-Konstellationen kommen kann. Laut der Publikation in Aids (2012; doi: 10.1097/QAD.0b013e328355fe8f) stößt das zur Behandlung der HIV-Infektion eingesetzte Mittel eine Autoimmunreaktion an.

Etwa 60 Prozent aller Träger des HLA-B*5701-Allels entwickeln in den ersten Wochen der Behandlung mit Abacavir eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion. Sie geht mit Fieber, Hautaussschlägen sowie gastrointestinalen, respiratorischen und schweren konstitutionellen Beschwerden einher und kann tödlich enden. Bei einem negativen Gentest, zu dessen Durchführung die Arzneibehörden dringend raten, beträgt die Inzidenz nur 3,4 Prozent.

Laut den Forschungsergebnissen der FDA interagiert Abacavir mit den Gewebe­verträglichkeits- oder Haupthistokompatibilitätskomplex-Antigenen (HLA), zu denen auch das HLA-B*5701-Allel gehört. Die HLA-Antigene helfen dem Immunsystem zwischen „körpereigenen“ und fremden“ Proteinen zu unterscheiden.

Anzeige

Laut FDA führt Abacavir dazu, dass das HLA-B*5701-Allel dem Immunsystem körpereigene Proteine als fremd präsentiert. Die Folge ist eine schwere Autoimmunreaktion, bei der die Abwehrzellen gesundes Gewebe attackieren. Der Pathomechanismus ist laut FDA der gleiche, der zu Lupus erythematodes, Typ-1-Diabetes mellitus und entzündlichen Darm­er­krank­ungen führt.

Die FDA-Wissenschaftler vermuten, dass die Überempfindlichkeitsreaktionen einiger anderer Medikamente einen ähnlichen Pathomechanismus haben könnten. Die Arbeit nennt als Beispiele die schweren Hautreaktionen, zu denen es nach der Gabe von Carbamazepin bei Patienten mit bestimmten HLA-Allelen kommt. Auch für Allopurinol und Flucloxacillin sind HLA-assoziierte Überempfindlichkeitsreaktionen oder Organschäden bekannt.

Die Forscher wollen aufgrund ihrer Erkenntnisse einen Labortest entwickeln. Mit ihm könnte künftig im Vorhinein geprüft werden, ob Wirkstoffe das Potenzial zur Induktion von Überempfindlichkeitsreaktionen haben. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. September 2020
Paris – Der weltweit erste Mensch, der nach einer HIV-Infektion geheilt werden konnte, ist an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Das teilte die International Aids Society (AIS) heute mit.
„Berliner Patient“: Von HIV geheilt, an Krebs gestorben
27. August 2020
Boston – Eine 66-jährige Frau aus Kalifornien könnte der dritte Mensch sein, der eine HIV-Infektion überwunden hat. Anders als der Berliner Patient Timothy Brown und der Londoner Patient Adam
Ist eine Spontanheilung von HIV möglich? Elite-Controller schicken Virusgene in die Wüste
24. August 2020
Wiesbaden – In Hessen sind im laufenden Jahr bis Mitte Juli knapp 100 neue Diagnosen einer HIV-Infektion registriert worden. Das teilte das Sozialministerium in Wiesbaden auf eine parlamentarische
Knapp 100 HIV-Neudiagnosen in Hessen
30. Juli 2020
Berlin – Trotz der schwelenden Pandemie sollte Prostitution aus Sicht der Deutschen Aidshilfe zügig wieder erlaubt werden – in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte lägen
Aidshilfe: Prostitution trotz Corona wieder zulassen
14. Juli 2020
Paris – Die Coronapandemie könnte in ärmeren Ländern nach Einschätzung von Experten zu einem drastischen Anstieg der Todesfälle auch durch Malaria, HIV und Tuberkulose führen. In Gebieten, in denen
Experten befürchten allgemeinen Anstieg tödlicher Infektionskrankheiten
10. Juli 2020
Berlin – Die Deutsche Aidshilfe hat zum Ende der Internationalen Aids-Konferenz „AIDS2020: virtual“ vor einer Katastrophe im weltweiten Kampf gegen HIV gewarnt. Der Vorstand der Deutschen Aidshilfe
Aidshilfe warnt vor Katastrophe im Kampf gegen HIV
6. Juli 2020
Genf – Die Weltgemeinschaft hat ihre selbst gesetzten Ziele im Kampf gegen HIV und Aids verfehlt. Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER