NewsMedizinEpilepsie: Wie eine Diät die Anfälle reduziert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Epilepsie: Wie eine Diät die Anfälle reduziert

Donnerstag, 24. Mai 2012

Boston – Eine relativ fettreiche, aber kohlenhydratarme Diät führt über ein bestimmtes Protein dazu, dass junge Epilepsie-Patienten nach erfolgloser Medikation seltener an ihren Anfällen leiden müssen. Die Wirkung der als ketogenen Diät bezeichneten Ernährungsumstellung ist schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts bekannt. Den Pathomechanismus haben aber nun Wissenschaftler des Dana-Farber Cancer Instituts und der Harvard Medical School in Boston in einer neuen Studie beschrieben. Sie erscheint in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Neuron (doi: 10.1016/j.neuron.2012.03.032).

Bei der sogenannten ketogenen Diät kann der Patient seinen Stoffwechsel ähnlich dem physiologischen Hungerzustand umstellen. Wegen der dabei vorgesehenen kohlenhydratlimitierten Diät muss der Körper weniger aus Glukose sondern aus Fett und eigens gebildetem Glukose-Ersatz, den Ketonkörpern, seine Energie beziehen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Energie- als auch der Proteinbedarf sorgfältig berechnet werden und die Diät unter ärztlicher Aufsicht stattfinden muss.

Anzeige

Die Leiter der Studie Nika Danial und Gary Yellen identifzierten mit ihren Kollegen ein Protein mit dem Namen BAD, das für die Wirkung verantwortlich sein soll.

Zunächst vermuteten die Wissenschaftler, dass die Ketonkörper den Neuronen zwar im Normalfall genügend Energie bereitstellen, ihnen jedoch bei einer für die Epilepsie typischen Entladung die Bereitstellung verweigern. Als verantwortlich für die Energiezufuhr durch Ketonkörper identifizierten die Forscher das Protein mit dem Namen BAD, welches für BCL-2-associated Agonist of Cell Death steht.

Schließlich gelang es ihnen, den Mechanismus der Energiebereitstellung durch Ketose nachzuahmen. Labormäuse mit Epilepsie, die ein modifiziertes BAD-Protein besaßen und ihre Neuronen somit mit Ketonkörpern versorgten, entwickelten daraufhin signifikant weniger Anfälle. Umgekehrt verschwand dieser Vorteil wieder, sobald die Wissenschaftler das BAD-Protein herab regulierten.

Dies sehen die Autoren als einen Beleg dafür, dass der Mechanismus der ketogenen Diät über dieses Protein funktioniert. Anstelle der in der Regel aufwändigen und schwierig durchzuhaltenden Diät sehen die Forscher aber vielmehr neue Medikamente. Denn in Zukunft könne das BAD-Protein als ein neues therapeutisches Ziel für die Behandlung der therapieresistenten Epilepsie dienen und neue Arzneimittel hervorbringen.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Dezember 2019
Ann Arbor/Michigan – Patienten, deren Status epilepticus nicht durch die intravenöse Therapie eines Benzodiazepins durchbrochen werden konnte, erholten sich in einer randomisierten Studie im New
Status epilepticus: Was nach einer Resistenz auf Benzodiazepine wirkt
28. November 2019
Mainz – Einem Epileptiker darf der Führerschein entzogen werden, wenn er nicht beweisen kann, dass er mindestens ein Jahr lang keinen Anfall hatte. Eine Eignung zum Fahren eines Fahrzeugs dürfe bei
Epileptiker darf Führerschein entzogen werden
25. November 2019
Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Antiepileptikum zugelassen. Der Wirkstoff Cenobamat erzielte bei Patienten mit schwer therapierbaren fokalen Anfällen bei etwa jedem 5.
Cenobamat kann Anfallsfreiheit bei fokalen Epilepsien erzielen
20. November 2019
Pasadena – US-Hirnforscher haben untersucht, warum die Entfernung einer Großhirnhälfte, Hemisphärektomie, in der Kindheit häufig nur mit geringen neurologischen Ausfällen im Erwachsenenalter verbunden
Wie sich das Gehirn nach der Entfernung einer Hemisphäre neu verdrahtet
18. November 2019
Würzburg – Ein Epileptiker, der 2018 am Steuer einen Krampf erlitten und eine Spaziergängerin totgefahren hatte, muss ins Gefängnis. Das Amtsgericht Würzburg verurteilte ihn heute wegen vorsätzlicher
Spaziergängerin totgefahren: Drei Jahre Haft für Epileptiker
14. November 2019
Liverpool – Einen neuen Überblick über den Stand des Wissens zur Add-On-Therapie von Epilepsien mit dem Medikament Topiramat hat die Cochrane Epilepsy Group herausgegeben (doi
Neuer Cochrane-Report zu Topiramat bei Epilepsie
30. Oktober 2019
Berlin/Innsbruck – Ein grundlegend neuer Ansatz könnte die Behandlung von Temporallappen-Epilepsien (TLE) verbessern: Mit einer Gentherapie ist es Forschern der Charité – Universitätsmedizin Berlin
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER