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Medizin

Gen weist Weg für männliches Kontrazeptivum

Freitag, 25. Mai 2012

Edinburgh – Ein Gendefekt, der die Verbindung der Spermatogonien zu den Sertoli-Zellen im Hoden unterbricht, macht männliche Mäuse zeugungsunfähig. Britische Forscher sehen in ihrer Entdeckung in PLos Genetics (2012; 8(5): e1002697) einen Ansatz zur Entwicklung eines Kontrazeptivums für den Mann.

Die Spermien sind bei der Reifung im Hoden auf die Sertoli-Zellen angewiesen. Als Nähr- und Stützzellen kleiden diese die Samenkanälchen aus und bilden zusätzlich eine Blut-Hirn-Barriere, die die Spermien während der Reifung vor toxischen Stoffen schützen. Aufgrund dieser Eigenschaften sind die Sertoli-Zellen ein Ansatzpunkt zur Entwicklung eines männlichen Kontrazeptivums, das reversibel und gut verträglich sein muss.

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Diese Bedingungen erfüllt das Zellgift Colchicin nicht, das schwere Nebenwirkungen hat und zudem noch mutagen wirkt. Colchicin wirkt kontrazeptiv, weil es die Bildung von Mikrotubuli in den Zellen stört. Die Mikrotubuli sind in den Sertoli-Zellen ein Bestandteil des Zytoskelett, das für den engen Kontakt der Sertoli-Zellen mit den Spermatogonien benötigt wird. Störungen des Zytoskeletts verhindert die Reifung neuer Spermien. Es kommt zum Verlust der Zeugungsfähigkeit.

Wissenschaftler der Universität Edinburgh haben nach Wegen gesucht, die Mikrotubuli der Sertoli-Zellen auf eine besser verträgliche Weise zu stören. Mittels ENU Mutagenese wurden so lange neue Mäusestämme erzeugt, bis eine genetische Variante gefunden war, bei der die Männchen unfruchtbar waren.

Die Gen-Analyse ergab dann, dass sich die Mutante dem Gen Katnal1 befand. Sein Protein wird bei der Maus, aber auch beim Menschen in den Sertoli-Zellen gebildet, wo es für die Mikrotubuli benötigt wird. Bei Mäusen mit der Mutation kommt es zu einer Störung des Zytoskeletts in den Sertoli-Zellen, die die Infertilität erklärt.

Seine auf den Hoden begrenzte Funktion macht das Katnal1-Protein zu einem viel versprechenden Ansatzpunkt für die Entwicklung eines männlichen Kontrazeptivums. Es müsste allerdings in der Lage sein, das Protein auszuschalten, ohne die Gonaden oder den gesamten Organismus dauerhaft zu schädigen. Solche eine „Pille“ für den Mann ist derzeit noch nicht in Sicht.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #87638
bambes
am Montag, 28. Mai 2012, 18:17

Blut-Hirn-Barriere

Jetzt stehts also auch im Ärzteblatt, dass Männer mit den Hoden denken ;-))
scnr
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