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115. Deutscher Ärztetag: Zusammenfassung II

Dienstag, 29. Mai 2012

Nürnberg – Der 115. Deutsche Ärztetag in Nürnberg hat die Krankenhausträger und die Träger ambulanter Gesundheitseinrichtungen dazu aufgefordert, auf rein ökonomisch orientierte Anreizmechanismen zu verzichten. Bonuszahlungen sollten sich darum vor allem an medizinisch-qualitativen Kriterien orientieren, um eine „Stückzahlen-Mentalität“ zu vermeiden, so der Ärztetag.

Honorar für Vertragsärzte
Der Deutsche Ärztetag hat an die Politik appelliert, die Sparmaßnahmen zu Lasten von Patienten und Ärzten zu beenden. „Der Deckel auf der ambulanten Medizin muss verschwinden, wenn die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem heutigen Qualitätsstand gehalten werden soll“, heißt es in einer Entschließung des Ärztetages. Die Delegierten forderten ein berechenbares und transparentes Honorar für niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie die Einführung eines festen Punktwertes auf Basis des 2004 betriebswirtschaftlich kalkulierten Mindestpunktwertes von 5,11 Cent zuzüglich eines Inflationsausgleichs. Zudem müssten die Budgets abgeschafft und stattdessen weitgehend eine Einzelleistungsvergütung umgesetzt werden.

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Krankenhausfinanzierung
Die Delegierten haben die Bundesregierung aufgefordert, eine solide Basisfinanzierung der deutschen Krankenhäuser zu sichern. Das derzeitige gedeckelte Fallpauschalen-System mit seinen ungerechtfertigten Abschlägen führe zwangsläufig zu einer „Flucht in die Menge“, die weder ökonomisch noch ethisch zu vertreten sei. Die Delegierten forderten außerdem, zum Schutze der Patienten und Mitarbeiter die Arbeitsverdichtung in den Kliniken umgehend zu verringern.

Der Ärztetag fordert die vollständige Refinanzierung von Tariferhöhungen und die bindende Einführung des durch das Statistische Bundesamt ermittelten vollständigen Orientierungswertes ab 2013. Dabei solle die Regierung an den ursprünglich mit dem orientierungswert verfolgten Zielen festhalten und diesen so gestalten, dass im Ergebnis eine verlässliche und ausreichende Finanzierung der steigenden Personal- und Sachkosten im Krankenhaus möglich sei.

Der Landesbasisfallwert, also die Berechnungsgrundlage für Krankenhausleistungen, der von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hoch ist, müsse umgehend bundesweit vereinheitlicht werden, so die Delegierten.

Erfassung geleisteter Arbeit
Der Ärztetag fordert alle abhängig beschäftigten Ärzte insbesondere in stationären Einrichtungen sowie deren direkte Dienstvorgesetzten und Arbeitgeber zu korrekter und vollständiger Erfassung und Dokumentation der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit auf.

Sichere Patientenversorgung
Um eine hohe Sicherheit der Patientenversorgung im Krankenhaus zu gewährleisten, hat der Ärztetag gefordert, für ausreichend qualifiziertes, insbesondere medizinisches und pflegerisches Personal zu sorgen. Notwendig seien humane, den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Arbeitszeiten, ein mitarbeiterorientierter, partizipativer Führungsstil und regelmäßige Schulungen zur Patientensicherheit während der Dienstzeiten. Die Delegierten forderten ferner ein funktionierendes Fehlerlern-, Qualitäts- und Risikomanagementsystem.

Der Ärztetag forderte die Krankenhausträger auf, die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte im Allgemeinen und in der Weiterbildung im Besonderen nachhaltig zu verbessern.

Betriebliche Gesund­heits­förder­ung
Der Deutsche Ärztetag in Nürnberg hat gefordert, Arbeitsmedizin und betriebsärztliche Versorgung zu einer zentralen Säule der Gesundheitsvorsorge in Deutschland auszubauen. Um die Prävention in der Arbeitswelt zu stärken, forderten die Delegierten die Länder auf, die arbeitsmedizinischen Lehrstühle an den Universitäten auszubauen. Gesetzliche Unfall-, Renten-, und Kran­ken­ver­siche­rungen sollten enger zusammenarbeiten. Notwendig sei zudem ein regionales sektorenübergreifendes Konzept zur Vernetzung von betrieblicher Gesund­heits­förder­ung und Prävention durch den Betriebsarzt.

Betriebsärzte und Hausärzte sollten die gleichen Leistungsvergütungen für Vorsorgemaßnahmen erhalten. Die Delegierten betonten, Betriebsärzte hätten als ärztliche Berater von Beschäftigten und Unternehmen eine Schlüsselstellung in allen Fragen von Arbeit und Gesundheit. Sie erfüllten eine wichtige Lotsenfunktion zwischen präventiver und kurativer Medizin.

Nachwuchsförderung
Der Deutsche Ärztetag hat die Bundesländer dazu aufgefordert, stärker Verantwortung für die Förderung des ärztlichen Nachwuchses zu übernehmen. Die Länder müssten eine ausreichende Zahl an Medizinstudienplätzen schaffen, damit die ambulante und stationäre Versorgung auch künftig auf dem jetzigen hohen Qualitätsniveau bleibe.

Außerdem lehnte der Deutsche Ärztetag eine weitere Verdichtung des Medizinstudiums durch eine Verkürzung der Studiendauer ab. Hintergrund ist ein Richtlinienvorschlag der Europäischen Kommission. Dieser sieht vor, die Mindestdauer des Medizinstudiums bei gleichbleibender Mindeststundenzahl (5500 Stunden) von sechs auf fünf Jahre zu verkürzen. © hil/aerzteblatt.de

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