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Medizin

Erbgut von pädiatrischen Tumoren sequenziert

Mittwoch, 30. Mai 2012

St. Louis – US-Forscher haben die Genom-Daten zu mehreren pädiatrischen Krebserkrankungen veröffentlicht. Das private Konsortium hat nach eigener Auskunft seit 2010 das komplette Erbgut der Tumoren von 260 Kindern entschlüsselt und dabei neue Einsichten in die Entwicklung von pädiatrischen Krebserkrankungen erhalten.

In den hochentwickelten Ländern, in denen nur wenige Kinder an Geburtskomplikationen oder Infektionen sterben, ist Krebs die häufigste Todesursache im Kindesalter geblieben, obwohl bei einigen Erkrankungen sehr gute Therapieergebnisse erzielt werden.

So überleben heute mehr als 80 Prozent aller Kinder mit einer akuten lymphatischen Leukämie. Bei anderen Krebserkrankungen sind die Therapieergebnisse ungünstig geblieben. Das Pediatric Cancer Genome Project erhofft sich von der Sequenzierung des Erbguts dieser Tumoren nicht nur Einsichten in die Ätiologie und Pathogenese, sondern auch Anregungen für die Therapie.

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Das dreijährige Projekt wurde 2010 vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis/Tennessee und der Washington University School of Medicine in St. Louis/Missouri ins Leben gerufen. Dank großzügiger privater Spenden konnte in den ersten beiden Jahren das Erbgut von 260 Kindern und den bei ihnen nachgewiesenen Krebserkrankungen entschlüsselt werden. Die Forscher beschränkten sich nicht auf die Anteile des Genoms, die die Information von Proteinen enthalten, sie sequenzierten die komplette DNA. Um Messfehler zu vermeiden, fanden gleich 30 Durchgänge statt.

Nach Auskunft des Projektleiters, Richard Wilson vom Genome Institute in St. Louis, wurden bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen. So habe man genetische Gründe für die rasche Entwicklung des Retinoblastoms gefunden, die zur Entdeckung einer möglichen neuen Therapie geführt hätte. Bei der Leukämie-Form ETP-ALL (early T-precursor acute lymphoblastic leukemia) sei man auf unerwartete genetische Veränderungen gestoßen, die die Diagnose und Therapie dieser seltenen Krebsform in Zukunft verändern könnten.

Die Sequenzierung des diffusen intrinsischen pontinen Glioms (DIPG), eines seltenen Hirnstammtumors, habe in 78 Prozent der Patienten zwei Gene aufgespürt, die bisher nicht mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Zuletzt sei bei einer Variante des Neuroblastoms eine genetische Veränderung gefunden worden, die den Einfluss des Alters zum Zeitpunkt der Diagnose auf die Prognose erkläre.

Die Forscher haben sämtliche Daten jetzt auf einer Internetplattform veröffentlicht, um sie auch anderen Forschern zur Verfügung zu stellen. © rme/aerzteblatt.de

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