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Medizin

Naphthalin: Mottenpulver schädigt Chromosomen von Kindern

Mittwoch, 30. Mai 2012

New York – Der aromatischer Kohlenwasserstoff Naphthalin, ein Bestandteil von Motten­pulvern, kann bei Kleinkindern Veränderungen an den Chromosomen verursachen, wie sie bei der Leukämie im Erwachsenenalter gefunden werden. Dies berichten US-Forscher in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (2012; doi: 10.1158/1055-9965.EPI-12-0214).

Obwohl die Wirksamkeit gegen Motten zweifelhaft ist, scheint Naphthalin in ärmeren Innenstadtbereichen von New York City noch heute als Insektizid verwendet zu werden. Einwanderer aus der Karibik sollen Mottenkugeln sogar zur Reinigung der Luft benutzen. Die Chemikalie ist aber auch in Zigarettenrauch, Automobilabgasen und anderen Verbrennungsprodukten enthalten.

Was auch immer die Quelle war: Viele Kinder einer Kohorte von Innenstadtkindern, die Manuela Orjuela von der Mailman School of Public Health in New York City begleitet, hatten im Alter von 5 Jahren erhöhte Konzentrationen der beiden Metabolite 1- and 2-Naphthol im Urin. Wie die Forscherin berichtet, korrelierte die Konzentration mit der Zahl der Chromosomenbrüche in Blutleukozyten.

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Diese Erbgutschäden wurden bei 30 der 113 Kinder nachgewiesen: Darunter waren 11 Kinder mit Translokationen, die eine Ursache von Leukämien im Erwachsenenalter sind. Mit jeder Verdopplung der Konzentration von 1- and 2-Naphthol im Urin stieg das Risiko von Translokationen um 55 und 92 Prozent.

Zum Blutkrebs kommt es nur bei bestimmten Translokationen (die beispielsweise zur Aktivierung eines Onkogens führen). Solche kritischen Translokationen wurden nach Auskunft von Orjuela niemals gefunden. Wo eine Translokation entsteht, ist nach Chromosomenbrüchen jedoch zufällig, und es ist vorstellbar, dass die fortgesetzte Exposition von Kindern (und Erwachsenen) bei einigen irgendwann zu einer gefährlichen Translokation führt.

Dass jeder einzelne Leukozyt zum Ausgangspunkt einer Leukämie werden kann, erhöht die Chance eines zufälligen Treffers zusätzlich. Die International Agency for Cancer Research, zählt Naphthalin zu den möglichen Karzinogenen. © rme/aerzteblatt.de

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