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Medizin

Riesenzellen begünstigen Infektion mit Cryptokokkus

Donnerstag, 31. Mai 2012

Minneapolis – Sogenannte Titanzellen sorgen dafür, dass die körpereigene Abwehr den vor allem für abwehrgeschwächte Patienten gefährlichen Pilz Cryptococcus neoformans nicht beseitigen kann. Abwehrzellen können den Pilz nicht phagozytieren – er verursacht dann unter Umständen Pneumonien und Meningitiden. Das fanden Wissenschaftler der University of Minnesota heraus und publizierten ihre Ergebnisse im Journal Eukaryotic Cell (doi: 10.1128/EC.00121-12).

Der Cryptococcus neoformans ist ein hefeähnlicher, bekapselter Ständerpilz, den Biologen überwiegend in Erde und Vogelmist finden. Die von ihm verursachte Kryptokokkose ist eine bekannte opportunistische Infektion und gehört bei HIV-infizierten Patienten zu einer der wichtigsten aidsdefinierenden Erkrankungen. Wenn immungeschwächte Personen die Pilzsporen einatmen, resultiert daraus oft eine Pneumonie oder auch ein tumorartiger Lungenbefall, sogenannte Kryptokokkome. Während diese klinische Manifestation relativ gut behandelbar ist, fürchten Ärzte vor allem den Befall des zentralen Nervensystems, der unbehandelt tödlich verläuft.

Die Wissenschaftler aus Minnesota kamen jetzt jedoch dahinter, warum sich der Pilz im menschlichen Körper so gut manifestieren und überleben kann. Denn sobald die Sporen eingeatmet werden und sich im Lungengewebe befinden, produziert der Cryptococcus sogenannte Titanzellen, die für die Phagozytose durch menschliche Granulozyten zu groß sind. Dadurch persistieren sie länger im Körper und die Infektion ist schwerer zu bekämpfen. Es zeigte sich, dass nur eine kleine Menge dieser Zellen ausreichte, um die immunologische Phagozytose effektiv zu schwächen.

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Darüber hinaus stellten die Autoren fest, dass nicht nur die Titanzellen selbst nicht phagozytiert werden, sondern dass sie diesen Schutz auch auf die Cryptococcus-Pilze von normaler Größe übertragen. Sie konnten zeigen, dass vergleichbar große Zellen, die aber keine Titanzellen waren, den Phagozytose-Schutz nicht an die restlichen Pilze weitergeben konnten. Die Wissenschaftler folgerten, dass die Größe der Zellen nicht das alleinige Kriterium sein könne.

Die Autoren der Studie unter der Leitung von Kirsten Nielsen betonen, dass solche Titanzellen eine entscheidende Rolle beim Pathomechanismus der Kryptokokkose übernehmen. Dies biete der Wissenschaft wiederum neue Möglichkeiten, effektivere Therapieoptionen zu entwickeln, um dieser vor allem für abwehrgeschwächte Patienten entscheidenden Erkrankung besser zu behandeln. © hil/aerzteblatt.de

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