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Medizin

Neonatale Asphyxie: Hypothermie verbessert Prognose bis ins Grundschulalter

Donnerstag, 31. Mai 2012

Detroit – Vor sechseinhalb Jahren hat eine Studie der US-National Institutes of Health belegt, dass eine temporäre Hypothermie in den ersten Lebenstagen die Überlebens­chancen von asphyktischen Neugeborenen verbessert. Jetzt zeigt eine Nachbe­obachtung im New England Journal of Medicine (2012; 366: 2085-2092), dass die positiven Auswirkungen bis ins Grundschulalter nachweisbar sein.

Eine gefürchtete Folge der Asphyxie ist eine hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE). Sie droht, wenn der Nabelschnurarterien-pH auf unter 7,0 abgefallen ist, das Basendefizit 16 mmol/l überschreitet, oder wenn nach der Geburt andere Zeichen einer neurologischen Störung vorliegen.

Das Neonatal Research Network hatte bis Mai 2003 insgesamt 208 Kinder mit Verdacht auf HIE, die innerhalb von 6 Stunden die neonatologische Station erreicht hatten, auf eine Hypothermie oder die Standardtherapie randomisiert. Bei der Hypothermie wird de gesamte Körper des Neugeborenen für 72 Stunden auf 33,5 Grad Celsius abgekühlt und danach langsam wieder aufgewärmt. Die damit verbundene Verlangsamung des Stoffwechsels soll dem Organismus helfen, die Folgen der Sauerstoffminderversorgung zu überwinden.

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Im Oktober 2005 konnten Seetha Shankaran von der Wayne State University in Detroit und Mitarbeiter in einer Publikation zeigen, dass die Hypothermie die Mortalität bis zum 18. bis 22. Lebensmonat tendenziell von 37 auf 24 Prozent senkte. Im kombinierten Endpunkt „Tod oder schwere Behinderung“ kam es zu einer signifikanten Reduktion von 62 auf 44 Prozent (NEJM 2005; 353: 1574-84). Die Kinder entwickelten seltener eine Zerebralparese (19 versus 30 Prozent), Erblindungen (7 versus 14 Prozent) oder Hörstörungen (4 versus 6 Prozent).

Dennoch gab es Bedenken, dass die Hypothermie langfristig die neurokognitive Entwicklung der Kinder beeinträchtigen könnte. Shankaran kann dies jetzt durch eine Nachuntersuchung von 190 Kindern im Alter von 6 bis 7 Jahren widerlegen. Der Anteil der Kinder, die gestorben sind oder mit einem IQ unter 70 dauerhafte kognitive Einschränkungen haben, wurde durch die Hypothermie von 62 auf 47 Prozent gesenkt. Beim Endpunkt Tod (28 versus 44 Prozent) und dem Endpunkt Tod oder schwere Behinderungen (41 versus 60 Prozent) gab es sogar signifikante Unterschiede.

Wurden nur die 122 überlebenden Kinder betrachtet, war die Rate der schweren Behinderungen (35 versus 38 Prozent) etwa gleich. Das gleiche traf auf Defizite im räumlichen Vorstellungsvermögen (4 versus 3 Prozent) zu, während Störungen der Aufmerksamkeit und der exekutiven Funktionen unter den Kindern, die eine Hypothermiebehandlung erhalten hatten, mit 4 versus 13 Prozent seltener auftreten.

Für Shankaran ist die Hypothermie deshalb die einzige Therapie, die die Folgen einer HIE abmildert und bis ins Grundschulalter die Prognose der Erkrankung verbessern kann. © rme/aerzteblatt.de

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