NewsVermischtesPsychotherapie kann auch älteren Menschen helfen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Psychotherapie kann auch älteren Menschen helfen

Freitag, 1. Juni 2012

Berlin. Psychotherapien wirken auch im hohen Lebensalter erfolgreich. Ging man früher davon aus, dass sich das wegen geringer Veränderbarkeit nicht mehr „lohne“, weiß man es heute besser. Darauf weist die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) bei dem Symposium „Psychotherapie in einer älter werdenden Gesellschaft“ hin, das am Donnerstag in  Berlin stattfand. Nach Angaben des  Bundesvorsitzenden Dipl.-Psych. Dieter Best leiden rund ein Viertel der älteren Menschen unter psychischen Krankheitssymptomen. So steige beispielsweise die Suizidrate bei Männern im Alter ab 70 Jahren bis auf das Dreifache der Rate bei jüngeren Männern. Aber nur sehr wenige alte Menschen erhalten eine Psychotherapie.

„Die Politik ist gefordert die angemessenen Rahmenbedingungen für eine ausreichende Versorgung zu schaffen. Daran mangelt es derzeit erheblich“, kritisierte Best. „Als Berufsverband von Psychotherapeuten sehen wir es als wichtige Aufgabe an, über psychische Krankheiten im Alter und die Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären“, sagte Best. Es fehle jedoch an Behandlungskapazitäten, verdeutlichte er mit Hinweis auf die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Besonders im ländlichen Raum sei die Versorgung dramatisch schlecht. Er hofft, dass mit einer geänderten Bedarfsplanung weitere Therapieplätze geschaffen werden könnten.

Allerdings müsse auch die Finanzierung neu geregelt werden, fordert Best, der auch Vorsitzender des beratenden Fachausschuss Psychotherapie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ist. Lediglich eine Umverteilung innerhalb der morbiditäts­orientierten Gesamtvergütung führe zu Unfrieden innerhalb der Kassenärztlichen Vereinigungen. „Wir sehen deshalb die Politik in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die zusätzlich notwendigen Behandlungsplätze auch zusätzlich finanziert werden“.

Anzeige

Auf einen weiteren Missstand weist Dipl.‐Psych. Hans‐Jochen Weidhaas, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPtV, hin: Ältere Menschen und besonders ältere Frauen, erhalten weitaus mehr Psychopharmaka als jüngere Menschen mit vergleichbaren Krankheitsbildern. „Wir benötigen besondere Kompetenzen, um die Diagnosen richtig zu stellen. Was ist normale Alterserscheinung, was ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung?“ Hierzu müsse verstärkt geforscht werden, damit sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich ältere Menschen interdisziplinär versorgt werden können.

„In einer älter werdenden Gesellschaft ist dies eine Herausforderung, der wir uns aus fachlicher, beruflicher und sozialer Verantwortung stellen müssen“, sagte Weidhaas, der auch Vorsitzender der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV ist.

Ältere Menschen haben oft andere psychische Störungen als junge. Darauf wies Dipl.‐Psych. Barbara Lubisch, stellvertretende Bundesvorsitzende der DPtV, hin. „Die Schwerpunkte der Probleme verschieben sich. Es gibt kaum Essstörungen, keine Burnout‐Syndrome, dafür Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörungen, somatoforme Störungen, Schmerzsyndrome.“

Themen in der Behandlung älterer Menschen seien insbesondere die Anpassung an die sich verändernde Umwelt, der Umgang mit Verlusten, die Nutzung von Ressourcen trotz zunehmender körperlicher Einschränkungen, die Bewältigung zwischenmenschlicher Konflikte, oft Generationenkonflikte. „Oft ist die Aussöhnung mit der eigenen Geschichte wichtig, manchmal auch die Aufarbeitung von lange zurückliegenden Traumata notwendig, die gerade im Alter oft aufbrechen, weil die Kompensationsmöglichkeiten geringer werden“, verdeutlichte Lubisch.

Die Psychotherapeutin bedauerte, dass die Richtlinien bisher weder am Krankenbett noch im Altersheim Psychotherapie ermöglichen. Sie begrüßt daher den Vorschlag der KBV, der die konsiliarische Einbeziehung von Psychotherapeuten in die Teamberatung vorsieht, wenn Heimbewohner an einer psychischen Erkrankung leiden oder wenn Angehörige psychotherapeutische Hilfe benötigen. © pb/eb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER